Eine Frau wird an Heiligabend auf dem Weg zu ihren Eltern von einem Polizisten in Zivil aufgehalten und in ihr Hotel zur Befragung zurückgebracht. Trotz dieser Zumutung bleibt die elegante Dame (Sophie von Kessel) erstaunlich gelassen. Hat Judith zu großen Respekt vor der Autorität des Staates oder ahnt sie, worum es im Verhör gehen wird? Thomas, der Mann vom Staatsschutz (Charly Hübner), weiß fast alles von ihr: Dass sie sich gestern mit ihrem Ex-Mann getroffen hat, dass sie mit ihm einst in Lateinamerika unterwegs war, dass sie sich jetzt als Universitätsprofessorin mit linken Befreiungstheorien beschäftigt, etwa den Thesen des antikolonialen Aufklärers Frantz Fanon. Erst nach knapp vierzig Minuten knallt es plötzlich in dem lange abtastenden Dialog. Er fragt sie scharf: „Wo ist die Bombe?“

Seit Anfang 2017 wird der Schlagabtausch zwischen Staatsschützer und Politikprofessorin auf den deutschsprachigen Bühnen verhandelt. Das Stück „Heilig Abend“ von Daniel Kehlmann baut auf einen Countdown, wie man ihn eher aus dem Film kennt, zählt in Echtzeit die neunzig Minuten bis Mitternacht hinunter. Sophie von Kessel, die die Rolle im Münchener Residenztheater spielt, regte die Verfilmung an. Das ZDF gewann Kehlmann als Drehbuchautor und Matti Geschonneck als Regisseur. Der Film verzichtet auf alle äußerlichen Spannungs-Utensilien und setzt auf die punktgenauen Dialoge und das ausbalancierte Spiel der Kontrahenten.

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