Im Mittelpunkt der Nachrichten wird er heute nicht stehen: Nicht Peer Steinbrück, sondern Franziskus I. bestimmte am Abend die Schlagzeilen. Die Papstwahl im Rom zeigte dem Zuschauer nebenbei auf, zu welcher Uhrzeit die Talkshow von Anne Will eigentlich aufgezeichnet wird. Denn zu Beginn der Sendung war noch kein weißer Rauch aufgestiegen, gegen Ende aber gab Anne Will die Nachricht ins Publikum.

Dazwischen hatten sich die Gastgeberin und ihre Redaktion alle Mühe gegeben, den SPD-Kanzlerkandidaten irgendwie auf’s Glatteis zu führen oder ihn ins nächste Fettnäpfchen treten zu lassen. Dabei nahmen es Anne Will und Co sogar in Kauf, dass sich ihre Fragen inhaltlich völlig widersprachen.

Mindestlohndebatte

So belegte zunächst ein Kurzreport von Mittelständlern aus dem brandenburgischen Prenzlau, dass der von der SPD favorisierte Mindestlohn von 8,50 Euro eine „Horrorvorstellung“ sei, weil er Arbeitsplätze vernichte, also zu hoch sei. Der nächste Beitrag aber warf dem SPD-Politiker vor, der Mindestlohn sei noch viel zu niedrig, weil er nicht mal zum Erreichen der Grundrente führe. Solche widersprüchlichen Anwürfe, Steinbrück nannte sie kurzerhand „will-kürlich“, machten es dem Politiker relativ leicht, seine politischen Positionen zu behaupten.

Steinbrück näher am Alltag

Das Publikum applaudierte dem Mann alle paar Sätze freudig – zumindest im Studio Berlin-Adlershof hatte er deutlich Zustimmung als in den aktuellen Umfragen. Auch der Versuch der Redaktion, Steinbrück bei den Fans von Schalke und Dortmund gegeneinander auszuspielen, schlug fehl. Vor dem Derby hatte ein Reporter den Fans Bilder präsentiert, die Steinbrück sowohl in blau-weißem als auch in schwarz-gelbem Schal zeigten.

Dass die Gegenüberstellung „manipulativ“ war, weil die Bilder aus ganz verschiedenen Zeiten stammten, musste selbst Anne Will zugestehen. Und sogar beim leidigen Thema Steuern und Finanzen war Peer Steinbrück zumindest an diesem Abend näher am Alltag als die Moderatorin.