Erwartet jemand allen Ernstes, eine Fernsehshow könnte den „klügsten Deutschen“ finden? Kann überhaupt jemand wirklich überragend klug sein, der sich neben Kai Pflaume auf eine Bühne stellt und von einem Sportmoderator und einer Nachrichtensprecherin in aller Öffentlichkeit examinieren lässt?

Aber ohne einen Superlativ im Titel geht heute kaum eine neue Show noch ins Rennen, und passendere Titel wie „ARD-Spielshow-Champion 2011“ klingen ja auch weit weniger aufregend. Die Einleitung durch Moderator Pflaume, der von einer „nationalen Angelegenheit“ sprach, und die Einspielfilme vom deutschlandweiten Casting schlugen einen leicht ironischen Ton an. Die sechs Kandidaten, die sich gegen 3000 Bewerber durchgesetzt hatten und nun im ersten Halbfinale gegeneinander antraten, vermittelten dem Zuschauer ein entspanntes Gefühl: Denn sie waren allesamt keine Überflieger, sondern Menschen wie du und ich. Sie patzten bei vergleichsweise leichten Wissensfragen, sie machten unter Stress im Scheinwerferlicht viele Fehler.

Nun sollte die Show aber nicht nur einen Wissensquiz-König küren, sondern den „Allerklügsten“ präsentieren. Ein Hirnforscher von der TU Braunschweig, der hier als wissenschaftliche Instanz bemüht wurde, definierte Klugheit als „Blumenstrauß“ von Begriffen wie Intelligenz, Logik, Merkfähigkeit und Wissen, als Fähigkeit, in komplexen Situationen die richtige Lösung zu finden. Deshalb musste sich jeder Kandidat noch einer anderen „praktischen Aufgabe“ stellen. Zugunsten von mehr Abwechslung verzichtete die Show hier auf Vergleichbarkeit, ohne die ein Wettbewerb aber nicht funktionieren kann. So scheiterte eine Gymnasiallehrerin an der Aufgabe, aus tanzenden Buchstaben, die von Balletteusen am Körper getragen wurden und oft nur für Momente zu sehen waren, ein Wort zu bilden – ihre Mitbewerber hatten es zum Teil wesentlich leichter.

Die ARD-Show, die übrigens schon am Dienstag im Studio Berlin-Adlershof aufgezeichnet worden war, weshalb es keineswegs ein Kunststück war, dass „Sportschau“-Moderator Matthias Opdenhövel unmittelbar nach seiner Sonnabend-Sendung gleich wieder zu sehen war, blieb eine solide, mäßig unterhaltsame Spielshow. Der überschaubare Reiz bestand vor allem darin, dass jeder Zuschauer mitraten und mit „seinem“ Kandidaten mitfiebern konnte – vorausgesetzt, er hatte den protzigen Titel längst vergessen.