Christine ist schön, intelligent und sexy, auch der 24-jährige Medizinstudent Michael aus München fällt ganz eindeutig in diese Kategorien. Nervös tippeln die beiden vor der dreiköpfigen Jury und warten auf die Entscheidung. Christine in High Heels und kurzem Abendkleid, Michi in feschem Segellook. Es geht hier nicht etwa um Germany‘s Next Topmodel und auch nicht um den Sexiest Man Alive. Gesucht wird niemand Geringeres als der klügste Deutsche. Aber in was für einem Verfahren?

10.000 Bewerber soll es gegeben haben, die irgendwo in Deutschland durch Moderator Kai Pflaume aufgetrieben wurden, um bei der diesjährigen Ausgabe von „Der klügste Deutsche“ zu brillieren. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren wurden vorab Auffassungsgabe, Allgemeinwissen, Kreativität und Logikverständnis getestet. Die nun übertragene Halbfinalshow hätte ein spannendes Battle zwischen den Besten der Besten werde können. Doch herausgekommen ist eine allzu billige Unterhaltungssendung.

Denn die Elemente, mit denen die Zuschauer bei Stange gehalten werden sollen, lassen sich nur schwer mit dem Anspruch einer Show in Einklang bringen, die die Klügsten der Klügsten hervorbringen will. Zu effektheischend sind die Attribute, mit denen die Kandidaten belegt werden, zu sehr erinnern sie an die Formate aus dem Privaten. Christine aus Leipzig wird als die mit den „endlosen Beinen“ angekündigt, ihr Auftritt vor der Jury wird mit den Klängen von „Du bist Hammer“ begleitet. Und bei dem feschen Michi aus München gerät Judith Rakers übermäßig ins Schwärmen, wenn sie ihn als „the Body and the Brain“ bezeichnet und dabei die Augen zum Himmel dreht.

Große Nähe zu DSDS

Überhaupt: Die Gesichtsausdrücke des Juryteams um Judith Rakers, Frank Plasberg und Matthias Opdenhövel werden oft und leidenschaftlich gern eingefangen. Auch da ist man ganz nah dran beim Privaten. Wehe einem Kandidaten unterläuft ein peinlicher Fehler – der Zuschauer wird dann sofort mit nervigen Rückblenden und Augenverdrehen in Zeitlupe traktiert. Das zusätzlich eingefügte „Mööööp“ des Buzzers macht dann auch dem Letzten klar, dass das gerade richtig, richtig peinlich war.

Nein, man ist sich nicht zu schade, um des Effektes willen ganz auf Komik auf Kosten anderer zu setzen. Die bewusste Bloßstellung unschuldiger Menschen sind wir eigentlich nur von DSDS gewohnt. Aber auch Kai Pflaume findet offenbar nichts dabei, auf der Suche nach den dümmsten Menschen Deutschlands bis in die entlegenste Ecke der Nation zu tingeln. Da gibt es dann tatsächlich jemanden, der bei Power-Napping an ein Fitnessgetränk denkt und ein Synonym für Rollladen als „Schahlusie“ niederschreibt. Aber muss die Episode als Einspieler in die Sendung eingebaut werden?

Immerhin, die Show hat einen wissenschaftlichen Berater! Martin Korte ist Professor für zelluläre Neurobiologie und Direktor des Zoologischen Instituts. Er soll die Performance der Kandidaten einschätzen, doch läuft bei denen nichts wie geplant. Michael brilliert bei der Aufgabe, die „frauenaffin“ (Matthias Opdenhövel) ist, die Lehrerin Vera zieht bei dem figuralen Denktest voll ab. Deswegen lobt Korte einfach irgendwann nur noch, wenn er gefragt wird, ebenso wie die Jurymitglieder. Man ist sich einig: Die Kandidaten, die machen das alle sehr, sehr gut.

Mäßiges Beiprogramm

Die fast dreistündige Sendung zieht sich. Die Cosmic Artists treten einmal auf, dann nochmal. Beim ersten Auftritt ist die vierköpfige Truppe trampolinspringender Männer noch lustig, dann aber auch nicht mehr. Dabei sind sie Teil einer schwierigen Aufgabe, die die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit der Kandidaten testen soll. Irgendwie sollen diese zählen, wie oft die Männer ins Netz springen oder durch bunte Fenster hüpfen. Zwischendurch gibt es noch Aufgaben zur figuralen, logischen und verbalen Intelligenz. Und Frage- über Fragerunde.

Jochen und Norbert haben schließlich irgendwann so viele Finalpunkte, dass sie gleich in die Endrunde marschieren dürfen, Frank wird vom Publikum weitergewählt. Bleiben Christine, Michael und Götz, die auf eine höhere Entscheidung durch die Jury warten. Nach welchen Kriterien die erfolgt, ist nicht ganz klar. Am Schluss gibt es zwar kein Foto, aber Judith Rakers kann die Spannung ebenso antreiben wie Heidi Klum bei ihren Mädels. Schließlich, endlich: Christine ist’s geworden. Drei Männer und eine Frau sind im Finale dabei – drei Langweiler und eine Schöne. Ein bisschen musste man ja dann doch an die Quote denken.