Die Alte stirbt zum Schluss. Sie hat eine Perücke auf und eine Flasche um den Bauch, die Sauerstoff in die Lunge pumpt. Die Dosis reicht gerade für eine letzte Aussage vor Gericht. „Ich hab den Kerzenständer genommen und den Mistkerl getötet“, sagt die krebskranke Karen und entlastet damit die Hausfrauen. Das brisante Geheimnis, das die letzte Staffel am Leben gehalten hat, wird nicht verraten, sondern endgültig begraben. Man ist glücklich in der Wisteria Lane. Renee heiratet ihren Ben, Susans Tochter bekommt ihr Kind und Lynette findet zurück zu Tom. Friede ja, aber keine Eierkuchen. Das wäre auch viel zu langweilig für die Verzweifelten. In der letzten Folge werden nochmal alle nachbarschaftlichen Gefühle aufgewühlt. Und der Samen für eine eventuelle Fortsetzung ist schon gesät.

Der Verrat erscheint in Renee, eine böse Spitze im Finale. Sie, die Zugezogene, will die Hausfrauen dem Gericht ausliefern. Grund: Wenn sie es nicht tut, wird ihr Verlobter Ben abgeschoben. Und da wählt sie den Mann vor den Freundinnen. Auch Carlos hat ordentlich zu knabbern. Weil er eifersüchtig auf seine plötzlich erfolgreiche Gaby ist, engagiert er eine sexy neue Gärtnerin, die das Feld aufmischen soll. Sie gräbt aber nur für kurze Zeit. Dann besinnt sich der flotte Ehemann auf seine eigentliche Empfindung für Gabrielle: Die Liebe. Ebenso wie Tom, der zunächst die Scheidung einreichen will und dann mit seiner Liebeserklärung an Lynette erst das Eis in ihrer Hand und dann ihr Herz schmelzen lässt. Neid auf die erfolgreiche Ex-Nachbarin Katherine, die nur kurz aufkreuzt und tief empfundene nachbarschaftliche Verbundenheit runden das Potpourri an Emotionen ab.

Stöckelschuhe im Vorgarten

Es ist dieser Mix aus wohl vertrauten Affekten, der die Serie so fesselnd machte, auch für die nicht-amerikanischen Zuschauer, die mit dem dort so typischen Vorstadtleben per se nicht so viel anfangen konnten. Margarita am Nachmittag? Stöckelschuhe im Vorgarten? Viel Show, Ärger und Theater in einer Wohngegend, die jedem Vorhängeschließer, Heckenhochzieher und unverbindlichem Gutenmorgennicker fremd ist. Doch diese wallenden Gefühle, die immer dann entstehen, wenn Menschen eng zusammenkommen, die waren vertraut! Marc Cherrys Meisterleistung bestand aus der Karikatur dieser gruppendynamischen Prozesse. Nirgends wurden sie so auf die Spitze getrieben wie in seiner Wisteria Lane.

Die Hausfrauen, die in jeder Folge neu in den Apfel der Erkenntnis bissen, haben endlich genug erlebt, genug erkannt. Aus Fairview werden sie verbannt, aus dem Abendprogramm gestrichen. Lynette zieht nach New York, Gabrielle vergnügt sich im kalifornischen Pool, Bree wird Senatorin in Kentucky und auch Susan räumt die Bude, aber nicht ohne zuvor den Stab, pardon, den Schlüssel weiterzugeben. Die nette Jennifer zieht ein, unter dem Arm eine neue Kiste voller Geheimnisse. Die werden sogleich in einer Kommode verschlossen. Dort ruhen sie nun, aber sicher nur auf Zeit. Die Hausfrauen sind weg, doch die Story ist noch längst nicht begraben.