„Neue, verblüffende Forschungsergebnisse“ hatte Professor Guido Knopp vorab versprochen, um zu begründen, warum sich sein Team schon wieder mit angeblich „bislang weniger beachteten Aspekten“ der Zeit des Nationalsozialismus befasst. Doch zumindest der Auftakt der sechsteiligen Reihe deckte nicht etwa „Geheimnisse“ auf, sondern wiederholte über weite Strecken eine sechs Jahre alte Dokumentation des ZDF.

Neu eingefügt waren lediglich die mittlerweile üblichen „Rekonstruktionen“ von einigen Sekunden Länge, ein paar Interviews – und der stets raunende Sprecher Christian Brückner, der den sachlicheren Joachim Höppner ersetzte.

Mit Hitler in einer WG

„Er wohnt im deutschen Fernsehen, er wurde dort geboren, in einer WG mit Adolf Hitler und anderen Senioren – das ist Knopp, Doktor Guido Knopp!“ Anno 2005 hatte der Liedermacher Rainald Grebe sein Spottlied über den umtriebigen ZDF-Historiker gesungen. Im selben Jahr zeigte der Sender eine Dokumentation unter dem Titel „Familie Hitler – Im Schatten des Diktators“, Autoren waren Thomas Staehler und Oliver Halmburger.

Die Beiden sind wieder mit von der Partie, als aus „Familie Hitler“ einfach „Hitlers Familie“ wurde. Der damals als Experte aufgeführte Florian Beierl wird diesmal als dritter Autor genannt. Der Film unter der Oberregie von Guido Knopp wirkt, als sollte er partout den bissigen Song von Rainald Grebe bestätigen.

„Die Geschichte hab ich griffbereit wie eine Tafel Schokolade, ich zieh sie aus der Tasche, wenn ich Hunger auf sie habe. Jamm jamm jamm, das schmeckt so gut, ich wusste gar nicht, wie gut das tut. Nicht alles auf einmal – dafür ist sie zu schade.“

Knopp bietet wenig Neues

Schmecken dürfte diese mittlerweile ranzige braune Nazi-Schokolade aber höchstens den nimmermüden Machern. Wer dagegen beide Dokus kurz hintereinander sieht – Phoenix wiederholt die Fassung von 2005 übrigens am Donnerstag noch mal – der fühlt sich schlichtweg bräunlich angeschmiert. Dabei hatte schon der erste Film allenfalls noch Randfiguren vor die Kamera holen können – etwa die Ziehtochter von Hitlers Halbbruder oder einen Großcousin.

Die wenigen neu geführten Interviews erbringen auch nichts wesentlich Neues über Hitlers Versuche, seine bucklige Verwandtschaft geheim halten zu lassen. Die Filmaufnahmen von den Schauplätzen und die verwendeten NS-Propaganda-Bilder aber sind komplett identisch.

Korrigiert hat Knoop aber einige Details: So hat der Neffe von Hitler, William Patrick, nun auf einmal nicht mehr nur drei, sondern gleich vier Söhne. Dass diese Männer, die heute in Amerika unter anderem Namen leben, sich gegenüber den Medien abschotten, wird im Kommentar bitter beklagt – doch wer will es ihnen verdenken?