Merkel regiert und regiert und regiert. Egal, welche Umfrage – eine Konstante gibt es: Kanzlerin Merkel ist nach wie vor äußerst beliebt – über alle Bevölkerungsschichten hinweg. Warum eigentlich, und wie schafft sie das? Was steckt hinter dem „System Merkel“? Darüber diskutierte gestern Abend die Runde bei Günther Jauch.

Anlass für das Thema ist das Buch „Die Patin“ von Gertrud Höhler, das voraussichtlich ein Bestseller werden wird. Höhler, ehemalige Kanzlerberaterin von Helmut Kohl, CDU-Mitglied und Unternehmensberaterin, analysiert in ihrem Buch, wie das System Merkel funktioniert. Um es kurz zu sagen: Höhler beschreibt Merkel als unberechenbar, autoritär und skrupellos.

Konkurrenten werden weggebissen, Merkel ist einsame Autorität an der Spitze. Und es wenn es darauf ankommt, sei sie politisch gnadenlos flexibel. Merkel hebele die Demokratie aus, ihr Politikstil sei „egoman“, sie habe keinerlei Kompass, so Höhler. Ihre DDR-Sozialisation habe dazu geführt, dass sie sich nicht festlege und nur schwer zu fassen sei.

"Situativer Umgang mit Werten"

Lothar de Maizière (CDU, letzter Ministerpräsident der DDR) meinte, dass es eine „Anmaßung“ sei, 20 Jahre nach der Einheit noch so zu schreiben und zu denken.Doch Höhler legte nach: Viele Entscheidungen seien kaum noch nachvollziehbar, Merkel habe einen „situativen Umgang mit Werten“, etwa als Merkel sublim andeutete, eigentlich sei die Plagiats-Affäre von Guttenberg doch eine Petitesse.

Sie habe ja immerhin einen Verteidigungsminister engagiert, und keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter. Starker Tobak, in der Tat. Und doch scheint Höhlers Buch weit übers Ziel hinauszuschießen. Ursula von der Leyen (CDU, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, sowie stellvertretende Parteivorsitzende) meinte, dass das Buch empörend sei, wenn Höhler über „die Fremde aus Anderland“ schreibe. „Anderland“, das ist die DDR. Die „Fremde“ – das ist Merkel, die nie so ganz angekommen sei in der Bundesrepublik.

"Keine Ahnung von vielem im Westen"

Wolfgang Herles, Ex-Moderator und Redaktionsleiter von ZDF-Aspekte, konstatierte, dass Merkel von vielem im Westen keine Ahnung habe. 1968 und die neuen sozialen Bewegungen, Ludwig Erhard, das seien Themen, von denen Merkel wenig bis gar keine Ahnung habe. Aber dennoch beziehe sie sich auf Ereignisse der BRD-Geschichte – nicht unproblematisch, meinte Herles. Darüber hinaus stelle sich die Frage, warum Merkels politische Laufbahn Leichen pflastern, etwa Merz, Guttenberg, Wullff, Röttgen. Die Zahl der „Delinquenten“ sei hoch gewesen in den letzten Jahren, meinte Höhler.

Jauchs Sendung war in ihrem analytischen Ansatz eindeutig eine der besseren Runden. Welche Folgen hat das System Merkel, und gibt es eigentlich Alternativen nach Merkel? Darauf hatte die Sendung dann doch keine abschließende Antwort. Das Thema wird daher sicher wieder auf die Agenda kommen.