Es war das Thema der Woche – und auch Günther Jauch konnte nicht daran vorbei: Das Buch, die Abrechnung Jörg Kachelmanns mit Medien und Justiz. Die Sache hat allein schon deswegen ein Geschmäckle, weil die ARD offiziell zwar nicht mehr mit Kachelmann zusammenarbeiten wollte, obwohl er damals frei gesprochen wurde.

Heute hat man offenbar kein Problem damit, quotenträchtig für Kachelmann eine ganze Stunde freizuräumen. Die ARD - das rätselhafte Wesen. Eines vorweg: Die Sendung war der blanke Boulevard – kaum erstaunlich bei dem Thema.

Kachelmann war mit seiner neuen Frau Miriam gekommen, die er während des Prozesses geheiratet hatte. Kachelmann, wieder dicker geworden, und heute fast wieder so aussehend wie früher, wirkte gelöst und erstaunlich wenig verbittert. Kachelmann war damals freigesprochen worden, ohne, dass das Gericht komplett von seiner Unschuld überzeugt war.

„Liebend gerne verknackt"

„Das Gericht hätte mich liebend gerne verknackt, wenn sie nur eine kleinste Chance dazu gesehen hätten“, resümierte er. Später wurde die Runde bei Jauch erweitert, unter anderem um Hans-Hermann Tiedje, ehemaliger BILD- und BUNTE-Chef. Tiedje meinte, dass in Teilen sowohl die Klägerin, als auch Kachelmann gelogen hätten.

Das habe nichts mit der Medienkampagne zu tun gehabt. („Es war ein kollektiver Blutrausch“ – so Kachelmanns Vorwurf). Tiedje kritisierte, dass Kachelmanns Buch in einem hämischen „rotzlöffeligen Ton“ geschrieben sei, den man ihm gar nicht zugetraut habe. Kachelmann stilisiere sich zu einem Opfer à la Alfred Dreyfus, „dabei sind Sie doch nur kleiner Wetterfuzzi“ – kantete Tiedje.

Zu wenig Distanz

Gerhard Baum, ehemaliger Bundesinnenminister sprang Kachelmann bei und konstatierte ebenfalls, dass „die Medien zu wenig Distanz“ gehabt haben, es habe jede Menge Vorverurteilungen gegeben. Das mag so sein – Fakt ist: Kachelmann hat vor dem Prozess das Privatleben eines windigen Hallodris geführt, der eine ganze Reihe von Frauen parallel als Freundinnen hatte.

Das ist kein Verbrechen – und doch: Kachelmann tat sich mit dieser Sendung, in der er erneut auch das Gericht in Mannheim heftig kritisierte, keinen Gefallen. Geschmacklos waren auch die Vorwürfe von Kachelmann und seiner neuen Gattin, dass Frauen prinzipiell „ein Opferabo“ hätten – eine wilde These, die kaum belegbar ist.

Laut einer EU-Studie sind nur vier Prozent aller Vergewaltigungsvorwürfe erfunden. Kachelmann und seine Frau Miriam blieben dennoch bei ihrer Sichtweise.

So oder so: Das Bild eines wenig glaubwürdigen Mannes blieb. Der Fall des Jörg Kachelmann ist ganz offenbar noch nicht zu Ende.