Angekündigt wurde Uli Hoeneß, Sohn eines Metzgermeisters, als „Kind aus einfachen Verhältnissen“, als einer, der „seine Wurzeln nie vergessen“ hat und es „von der kleinen Metzgerei in Ulm bis an die Weltspitze“ schaffte. Doch ein Einspieler von Hoeneß‘ Wutausbruch auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von 2007 machte schnell klar, wofür er an diesem Abend eingeladen war. Für den provokanten Klartext. Seine These: „Deutschland – im Großen und Ganzen – ist ein Paradies. Und die Leute wollen‘s nicht begreifen.“

„Wer kann noch in Wohlstand leben?“, fragte Jauch am Sonntag. Und das nicht als Erster. Anne Will hatte bereits am Mittwoch den Auftakt gemacht. Maischberger soll morgen folgen.

Anlass für die Debatte ist der vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der offenbart, was viele längst wussten. Dass das Vermögen in Deutschland höchst ungleich verteilt ist. Dass die Privatvermögen zwar stark gewachsen sind, das vor allem jedoch für die reichsten zehn Prozent.

Hoeneß übernimmt Doppelrolle

Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Bildungs- und Chancengleichheit. Es steckte viel drin in diesem Thema, das dann aber FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß mit hochrotem Kopf und Rundumschlägen an sich riss. Kam Jauchs Talk an diesem Abend ohne Betroffene aus, so übernahm Hoeneß gleich eine Doppelrolle: Er gab den kleinen Mann, der es zu Großem gebracht hat. Und den großen Mann, der sich ums Kleine nicht mehr zu sorgen hat, gleich dazu.

Was hält Hoeneß von einer Vermögenssteuer? Seine Bayern-Mannschaft spiele ohnehin die erste Halbzeit nur für’s Finanzamt. Höhere Steuern nützten gar nichts. Der Staat solle lieber anfangen, Ausgaben zu kürzen und das sprudelnde Steuergeld sinnvoll anlegen. Eine Straße müsse nun mal nicht alle drei Jahre repariert werden. Ohnehin gehe es den meisten Menschen heute besser als früher. Und es gehe nun mal nicht immer höher, schneller und weiter.

Entspannter Stoiber gibt Hoeneß recht

Neben Hoeneß saß ein Edmund Stoiber, den sein Job bei der Europäischen Union sichtlich entspannter gemacht hat. Auch er sah keine Not, eine Reichensteuer wieder einzuführen. Schließlich habe man sie abgeschafft, da der bürokratische Aufwand die Einnahmen sofort wieder verschluckt hätte. Es mangele ja nicht an Einnahmen, da gebe er Hoeneß ganz recht.

Aus bayerischer Perspektive mag die Welt in Ordnung sein. In Berlin jedoch, bei Bernd Siggelkow, dem Leiter des Jugendhilfswerks „Arche“, sieht es anders aus. Da ginge es schon noch höher und weiter. Leider blieb Siggelkow bei diesem Kräftemessen lange außen vor. Dabei war er der Einzige, der die Not jeden Tag im eigenen Berliner Jugendhilfswerk selbst miterlebt und interessanten Einblicke in die Leben seiner Schützlinge gab.

Für ihn, der auf der Reeperbahn groß geworden ist, habe Armut nicht nur mit Not, sondern vor allem mit Bildungschancen zu tun. Während Kinder in Skandinavien wie Könige behandelt würden, seien sie hierzulande lediglich ein unkalkulierbares Armutsrisiko. Es brauche gar keine neuen Steuern. Es reiche schon, wenn man das Kindergeld für Reiche ins Bildungssystem steckte.

Hoeneß: Kipping ist reine Theoretikerin

Dem stimmte auch Linken-Parteivorsitzende Katja Kipping zu. Sie forderte eine faire Umverteilung der Spitzengehälter. Für Hoeneß nichts als Humbug: Hier sehe man mal wieder, dass Kipping „eine reine Theoretikerin“ sei, ohne jeden Bezug zur Praxis. Deshalb dümple ihre Partei auch nur bei fünf Prozent. Und sowieso: Gegen das Schloss von Oscar Lafontaine sei sein Haus am Tegernsee ja „sozialer Wohnungsbau“.

Und auch „Arche“-Mann Siggelkow ließe er so nicht wegkommen: „In ihrer Betrachtung sehen Sie Deutschland eigentlich ziemlich falsch.“ Eines müsse er ihm sagen: Wir gehen auf Vollbeschäftigung zu, sind wieder Einwanderungsland.

Und weil auch Hannelore Kraft, die Landesmutter von Nordrhein-Westfalen, gerade da war und hinguckte, gab es auch für sie einen Seitenhieb: „Sie machen Ihre Aufgabe nicht, Frau Kraft.“

Jauch hatte alle Mühe, Hoeneß in Zaum zu halten und einen roten Faden durch die Sendung zu spinnen. Wieder zeigte sich: wenn holzschnittartig über Extreme diskutiert wird – der arme Kevin aus dem Einspieler hier, da der Banker mit seinen Boni – so führt das nur selten zu einer wirklich produktiven Diskussion.