Aus Sicht dieser Show müsse Rösler „immer im Amt bleiben“, gab „Heute-Show“-Host Oliver Welke zu, nachdem er zuvor seinen Gast Wolfgang Kubicki gerade wie beiläufig gefragt hatte: „Wo ich Sie schon mal hier habe: was macht eigentlich der Putsch gegen Rösler – gibt es da schon einen Termin?“

Aber als der Saal diese Frage mit johlendem Applaus goutierte, heizte Kubicki – seit 42 Jahren eingetragenes FDP-Mitglied – die Stimmung sogar noch an: „Ja, was heißt nun der Applaus?“, fragte er ins Publikum: „Soll der Putsch nun stattfinden oder ausfallen?“

Extrem hohes Schlagfertigkeitsniveau

Die Begegnung zwischen Kubicki und Welke war ein Scharmützel auf extrem hohem Schlagfertigkeitsniveau, und wenn auch einiges dafür spricht, dass ein paar Pointen abgesprochen gewesen sein könnten (was ja auch in anderen Kultsendungen wie der alten „Harald Schmidt Show“ üblich war), blieb da doch immer jener schmale Grat, auf dem tänzeln können muss, wer dem Publikum respektive seinen Wählern eine wirklich intelligent unterhaltende Show anbieten möchte.

Als zum Beispiel Kubicki über seine Berliner Parteispitze sagte: „Die Führung muss erklären, warum die FDP seit 28 Monaten bei vier Prozent steht“, fragte Welke nach wie ein aufgeweckter Politjournalist, der seinem Gegenüber keine Floskeln durchgehen lassen will: „Haben SIE eine Erklärung?“ Aber Kubicki hatte diese Nachfrage wohl insgeheim schon als Vorlage fest einkalkuliert: „Ich könnte jetzt mal sagen: Weil wir auf dem richtigen Kurs sind“, zitierte er mit spitzbübischen Lächeln die Lieblingsfloskel seines Parteivorsitzenden Rösler.

Der Saal tobte und selbst Welke musste vor dieser Pointe seinen Hut ziehen: „Das war Comedy, jetzt im Ernst!“, rief er aus. Und für einen kurzen Moment war nicht ganz klar, ob dies für einen Politiker eigentlich ein Kompliment oder ein Offenbarungseid ist.

Welke spart nicht mit Kollegenschelte

Dass sich diese Frage auch jene Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Fernsehsystems stellen müssen, die ein paar Tage zuvor für die bizarren Wahlpartys von ARD und ZDF zuständig waren, hatte Welke eingangs klargemacht. Die „Erregungswoche“ (Welke) der US-Wahlnacht inszenierte er im Studio mit Puschel schwenkenden Cheerleadern nach und sparte auch nicht mit Kollegenschelte: „Ich geh jetzt mal da rüber, denn sinnlose Gänge sind ja Standards bei Wahlsendungen.“

Ob nun die von den albernen Bläsertuschs dauergenervte Bettina Schausten, oder die ZDF-Twitter-Expertin Jeannine Michaelsen mit ihren Nullkommanull-Informationen: wer immer sich lächerlich gemacht hatte bei dem aussichtslosen Versuch, aus trockener Außenpolitik unterhaltsames Entertainment zu machen, wurde in der „heute Show“ noch einmal genüsslich vorgeführt.

Das war streng genommen nicht nur ausgesprochen komisch, sondern auch echt bitter für alle, die ihre GEZ-Gebühren aus der Überzeugung heraus zahlen, dass diese Gesellschaft ein seriöses, relevantes und allgemein zugängliches Nachrichtenwesen braucht. Aber auch anders herum wird ein Schuh draus: Für den Angreifer Stefan Raab wird es nun am Sonntag nicht mehr ganz so leicht, billige Siege gegen die ARD-Info-Elite im Allgemeinen und Günther Jauch im Besonderen einzufahren.

Wolfgang Kubicki wird übrigens auch bei „Absolute Mehrheit“ dabei sein. Und man wird diesen Auftritt nun in jedem Fall mit seiner Performance bei der „Heute Show“ messen. Denn: „Das war Comedy, Herr Kubicki!“