Am Anfang steht meist eine einfache Beobachtung. Eines gesellschaftlichen Phänomens, einer alltäglichen Situation, eines Klischees: Immer mehr wohlhabende Paare aus dem Westen adoptieren ein Kind aus einem Entwicklungs- oder Schwellenland. Manche Mütter behandeln ihre kleinen Töchter nicht wie Kinder, sondern wie ihnen ebenbürtige Konkurrentinnen. Andere Mütter sehen ihr Kind so sehr als ein Teil von sich selbst, dass sie jede Distanz verlieren. Männer verhalten sich auch in der Chefetage noch wie kleine Kinder. Frauen manchmal auch.

Davon und von noch viel mehr handeln die Sketche der neuen Staffel „Ladykracher“ mit Anke Engelke. Und immer geht es darum, die Beobachtungen und Alltagssituationen aufzubrechen und ins Absurde zu führen und so die Absurdität oder Verlogenheit der ursprünglichen Situation zu zeigen. Etwa wenn die Mitarbeiterin eines Beerdigungsinstituts (gespielt von Engelke) plötzlich eine bunte Handpuppe zückt, die üble Zoten reißt und über den Verstorbenen herzieht. Nicht jeder Sketch endet mit einer zündenden Pointe, oft wird einfach nur die aberwitzige Situation bis zum bitteren Ende durchgespielt. 

Dadurch ist „Ladykracher“ sehr viel gesellschaftskritischer als die meisten anderen deutschen Comedyformate, in denen es meist nur darum geht, einen mehr oder weniger platten Gag zu erzählen.

Veränderte Fernsehlandschaft

Seit 2002 gibt es „Ladykracher“, zwischen 2004 und 2008 herrschte Pause, in der Anke Engelke mit der Serie „Ladyland“ und einer eigenen Late-Night-Show eher bescheidene Erfolge feierte. Jetzt läuft seit Freitag auf Sat.1 die siebte Staffel. Im Laufe der Zeit hat die Besetzung immer wieder gewechselt, aber einige Gesichter sind untrennbar mit „Ladykracher“ verbunden. Neben Engelke sind auch Bettina Lamprecht und Kai Lentrodt seit der ersten Staffel dabei, Matthias Matschke seit der zweiten.

In den zehn Jahren seit der ersten Staffel hat sich die Fernseh- und Comedylandschaft verändert. Am Anfang hatte Engelke noch den Titel „einzige lustige Frau im deutschen Fernsehen“, inzwischen sind einige Comediennes nachgekommen. Carolin Kebekus zum Beispiel, die seit 2010 mit einer Stand-up-Show das Rahmenprogramm von „Broken Comedy“ auf ProSieben gestaltet. Oder Martina Hill, bekannt aus „Switch Reloaded“, deren eigene Sketch-Show „Knallerfrauen“ im Februar und März auf dem „Ladykracher“-Sender Sat.1 ausgestrahlt wurde. Die Namensähnlichkeit zu „Ladykracher“ ist sicher kein Zufall, auch der Sendeplatz Freitag 22.15 Uhr ist identisch.

Dass „Ladykracher“ ohne große Veränderungen 2012 noch genauso gut funktioniert wie 2002 spricht für die Qualität der Sendung. Auch Ulla Fleischer, das dumme Blondchen, Urte, die Ultra-Lesbe, Ludmilla, die russische Millionärsgattin und Onka Poffenreuter, die unattraktive Frau mit dem regen Sexleben, sind zum Glück wieder mit dabei.