Der deutsche Humor ist rückwärtsgewandt. Zumindest wenn man der auf einer Zuschauerumfrage basierenden ARD-Rankingshow glauben darf, die laut Titel „Die lustigsten TV-Shows der Deutschen“ präsentiert. Denn ein Großteil der 25 ausgewählten Sendungen stammt aus den 70er, 80er, 90er Jahren. Ja, sogar bis in die 60er Jahre zu Heinz Erhardts „Witzakademie“ reicht das Best-Of zurück. Und der seit 1980 dauerbrennende Klassiker „Verstehen Sie Spass?“ fährt schließlich den Sieg ein.

Zwar sind mit Anke Engelkes „Ladykracher“, den Fernsehparodien „Switch Reloaded“ und „Heute-Show“ oder dem Late-Night-Talk „Inas Nacht“ auch einige Sendungen darunter, die einem jüngeren Publikum ebenfalls vertraut sein könnten. Doch mit Otto, Hape Kerkeling, Rudi Carrell, Hugo Egon Balder oder Hella von Sinnen, werden vor allem die Lebenswerke von seit Jahren und Jahrzehnten bekannten und beliebten Comedians und Showmastern geehrt und im Schnelldurchlauf reproduziert. Klimbim, Total Normal, Schmidteinander. Moderatorin Kim Fisher klebt die Einspielhäppchen zusammen.

Pointen zünden nur im Gedächtnis

Lustig ist aber leider selten, was gezeigt wird, sondern primär, was als Erinnerung in den Zuschauerköpfen reaktiviert werden soll. Natürlich reißt die Sendung großartige Humor-Momente an. Bloß zünden die Pointen der zusammengewürfelten Fernsehschnipsel meist nur dann, wenn sie im Gedächtnis an Erinnerungen um das vollständige Original andocken können.

Damit verharrt die Sendung in einem Nostalgie-Vakuum, das simple „ach, weißt du noch damals“-Reflexe bedient, das Bedürfnis nach Wiedererleben aber nicht befriedigt. Was ham wir damals gelacht! Nur um heute noch lachen zu können, zeigt die Sendung zu wenig von damals. Also lieber die Originale einschalten - ob historisch oder im gegenwärtigen Abendprogramm zu finden - und ohne Hitparaden-Countdown-Unterbrechung lachen.