Das Thema ist eine Krake: Es hat stattliche Ausmaße, einen nur wenig konkurrierten Kern, und zeigt seine Bedeutung vor allem in den vielen weitreichenden Fragen, die es aufwirft. Das mag auch an der Dynamik liegen, mit der das in den USA gedrehte Muslim-Video weltweit Wirkung zeigt: In Tunesien, Ägypten, Sudan und Bangladesch protestieren Gläubige gegen die Verunglimpfung ihres Propheten, der US-Botschafter und drei seiner Mitarbeiter fanden in Libyen den Tod. Wütete da „nur“ ein entfesselter Mob oder denkt insgeheim der ganze Orient so? Im Sudan setzten die Demonstranten die Deutsche Botschaft in Brand. War das Zufall oder politische Absicht? Und der Funke der gewalttätigen Empörung könnte auch ins deutsche Inland überspringen, wenn die rechte Splitterpartei Pro Deutschland den Film in Berlin wie geplant aufführen kann. „Muss man deshalb das Video oder zumindest seine Aufführung in Deutschland verbieten?“, fragte Sandra Maischberger in ihrer kurzen Anmoderation. „Oder gibt man damit denen Recht, die im Namen des Films morden?“

Eigentlich hätte an diesem Abend Bettina Wulff hier sitzen sollen, um mit der Feministin Alice Schwarzer und dem Medienberater Michael Spreng über ihre Kampagne gegen Google zu sprechen. Aber die hatte am Samstag alle Medienauftritte abgesagt. Es ist beachtlich, dass die Redaktion sich nicht einfach auf ein x-beliebiges Verbraucherthema (Günther Jauch) zurückzog oder über innerdeutsche Befindlichkeitsfragen debattierte (Anne Will), sondern eine kompetente Runde zusammenstellte, die sich der Herausforderung des Themas in aller Ernsthaftigkeit stellte.

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