Selbst im armen Berlin, bislang eher Billig-Wohngebiet, sind die Mieten in den letzten Jahren laut „Wirtschaftswoche“ um 29,7% Prozent gestiegen.  Mietwucher ist eine Vokabel, die immer öfter zu hören ist, wenn Menschen auf der Suche nach einer Wohnung sind.   Luxussanierungen mit teils horrenden Mietsteigerungen sind ebenfalls an der Tagesordnung. Allgemein gilt: Steigende Nachfrage hat steigende Mieten zur Folge.

Luxussanierung mit grotesken Folgen

Welche absurden Folgen manche dieser Luxussanierungen haben, musste Helga Brandenburger in Berlin erfahren, die am Dienstagabend bei Maischberger ihren Fall erzählen konnte. Er machte über die Grenzen der Hauptstadt hinaus Schlagzeilen.  Von einem Tag zum anderen wurden die Fenster ihres Bades und ihrer Küche zubetoniert – seitdem ist sie dort ohne Licht und ohne Luftzufuhr. 

Auf dem Nebengrundstück wurde ein neues Haus mit Eigentumswohnungen errichtet: Der Vermieter, dem beide Häuser gehören, wollte Brandenburger eine Mieterhöhung von 50 Prozent aufbrummen – doch Helga Brandenburger klagte und bekam recht: Die Mauer muss weg  - auf welche Weise auch immer. 

Berlin zieht Spekulanten an

Der Fall Brandenburger demonstriert: In Deutschlands Innenstädten herrscht zum Teil wilder Westen auf dem Wohnungsmarkt.   „In China bekommen Leute leuchtende Augen, wenn man sagt, dass man aus Berlin kommt, alle wollen hierher“, bemerkte der Luxus-Wohnungsmakler Alexander Posth.  Aber ob das ein Kompliment ist, ist die Frage – denn oft handelt es sich dabei um Spekulation mit Immobilien.

Um die schlimmsten Exzesse zu verhindern, hat man im Berliner Stadtteil Pankow manches verboten, wenn Eigentümer sanieren: keine Kamine, kein zweites Bad, keine Zusammenlegung von Wohnungen. So hat es der Bezirksbaustadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Die Grünen) erwirkt.  „Das wirkt aber nicht mietpreisdämpfend“, kritisierte der FDP-Politiker Martin Lindner, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. 

In der Tat  ist die Frage, wie man eine gute Durchmischung der Stadtteile hinbekommt – Gesetze alleine werden nicht reichen, es sind auch Maßnahmen auf Bund- und Länderebene gefragt.  Lukas Siebenkotten,  Direktor des deutschen Mieterbundes kritisierte, dass es derzeit so gut wie gar keine Mietpolitik gebe.  „Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren in diesem Bereich gar nichts getan“, so Siebenkotten.  Zu wenig günstiger Wohnraum – und eben auch jede Menge Wohnungen, deren Sozialbindung ausgelaufen ist. 

Rente reicht nicht mehr

Was das im Einzelfall bedeuten kann, berichtete die Münchener Rentnerin Gerda Nilius.  Nach einer zweifachen Mieterhöhung hat die ehemalige Lehrerin nur noch 400 Euro zum Leben,  nun droht eine weitere Steigerung.  „Ich habe Existenzangst, dabei fühle ich mich durchaus in meiner Wohnung wohl.“

Fazit der Maischberger-Sendung, die durchaus eine der besseren war und weitgehend auf reißerische Gäste und Thesen verzichtete:  Deutschlands Städte steuern auf einen Wohnungsnotstand zu. Zustände wie in London, Paris und Rom, wo ärmere Bevölkerungsschichten in Stadtteile weit außerhalb ziehen müssen, drohen auch hier.