Die Miniserie "Deutscher" konzentriert sich auf den kleinstädtischen Alltag der beiden Nachbarn, die zunehmend auf Distanz gehen. 
Foto: ZDF/Martin Rottenkolber

BerlinDie Schneiders wohnen links im roten Haus, die Pielckes rechts daneben im blauen Haus. Die beiden Familien hatten zusammen gebaut und helfen sich, ihre gleichaltrigen Söhne sind zusammen aufgewachsen und befreundet. Doch nun gerät das Zusammenleben unter Spannung. Denn in Berlin hat eine rechtsnationale Partei mit absoluter Mehrheit die Regierung übernommen. 

Christoph Schneider, der liberale Lehrer aus dem roten Haus (Felix Knopp), ist empört. Klempnermeister Frank Pielcke aus dem blauen Haus (Thorsten Merten) dagegen hofft, dass endlich mehr für die Deutschen getan wird.

Auch wenn eine Partei wie die AfD derzeit von der absoluten Mehrheit weit entfernt ist, in Umfragen bei zehn Prozent liegt, so zeigt doch das Beispiel Ungarn, dass solche Gedankenspiele nicht völlig aus der Luft gegriffen sind. Aber so dystopisch-düster geht es im Vierteiler „Deutscher“ auf ZDFneo nicht zu. Die Miniserie konzentriert sich auf den kleinstädtischen Alltag der beiden Nachbarn, die zunehmend auf Distanz gehen.

Doch obwohl Stefan Rogall (Buch) erklärt, er wolle Motivationen und Vorurteile auf beiden Seiten nachvollziehbar herausarbeiten, wird das Nachbarschaftsverhältnis nicht etwa von den normalen Diskussionen über den Gartenzaun bestimmt, sondern von außen gewaltsam aus den Fugen gebracht.

Die Machtübernahme der Rechtsaußen führt in Rogalls Drehbuch dazu, dass die türkischstämmigen Mitbürger, bislang fester Teil der Kleinstadt, plötzlich gewaltsam attackiert werden. Der Apotheker Burak, Freund der Schneiders, wird erst brutal verprügelt, dann von der Chefin entlassen. Das Restaurant der Oktays geht bei einem Brandanschlag in Flammen auf. Aus dem Burger-Laden wird ein „Schnitzelparadies“. Da Schneiders Sohn David mit der Tochter der Oktays befreundet ist, Pielckes Sohn Marvin sich dagegen den Brandstiftern anschließt, teilt der Anschlag zwangsläufig die beiden Familien.

Indem der Vierteiler das Nachbarschaftsverhältnis in einen grob gezimmerten Krimi hineinzieht, verschenkt „Deutscher“ die Chance, das eigentliche Problem alltagsnäher abzuhandeln, nämlich die Polarisierung der Debatten. Grille ich weiter mit dem Nachbarn, wenn ich den für einen Fremdenfeind halte?  

So kann „Deutscher“ am Ende nur schauspielerisch überzeugen: Simon Ostermann und Sophie Linnenbaum, zur Drehzeit noch Studenten an der Filmhochschule Babelsberg, beweisen, dass sie gestandene Darsteller wie Milena Dreißig und Thorsten Merten (als Pielckes) und Meike Droste und Felix Knopp (als Schneiders) führen können – vor allem in den Szenen, in denen noch mit unterschwelligen Andeutungen und Vermutungen gearbeitet wird.  

„Deutscher“: Zwei Doppelfolgen, 28. und 29. April, 20.15 Uhr, ZDFneo, alle Folgen in der ZDF Mediathek