Die Bierkrüge hat man abgeräumt und den Beckenbauer-Imitator Matze Knop gleich noch dazu. Um Pointen ringende Komiker? Plattitüden absondernde Ex-Stars? Grölende Studiogäste zu bayerischen Bretzeln? Alles Vergangenheit. Nach dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich hat der „Sportschau-Club“ Premiere gefeiert, und man darf festhalten: Er ist ganz anders als „Waldis Club“. Er ist natürlich auch viel besser. Aber ist er deshalb auch gut?

In der ersten Ausgabe der neuen Sendung ging es den Machern offenbar in erster Linie um die größtmögliche Abgrenzung von der krachledernen Stammtischrunde, die unter dem Namen „Waldis Club“ zuletzt bei der Europameisterschaft feinfühlige Fußballliebhaber in den Wahnsinn getrieben hatte. Statt Waldemar Hartmann, von dem sich die ARD getrennt hat, saß nun „Sportschau“-Moderator Matthias Opdenhövel im Studio, und zwar ausschließlich mit Gästen, die ganz aktuell tatsächlich etwas mit Fußball zu tun haben: Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft, Franz Wohlfahrt, Torwarttrainer des österreichischen Teams mit Bundesliga-Vergangenheit, und Ralf Rangnick, Sportdirektor von RB Leipzig und FC Red Bull Salzburg.

Österreich schnell abgehandelt

Mit ihnen konnte sich Opdenhövel also unterhalten. Bloß über was? Dumme Frage, könnte man meinen, schließlich hatte gerade ein Länderspiel stattgefunden. Darüber hatten allerdings Moderator Gerhard Delling, ARD-Experte Mehmet Scholz und Bundestrainer Jogi Löw bereits alles gesagt. Man wolle jetzt nicht die Analyse der Analyse betreiben, erklärte Opdenhövel nach einer lockeren Einstiegsplauderrunde dann auch durchaus problembewusst, um kurz darauf gleich mal Mehmet Scholl zu zitieren.

Neue Erkenntnisse waren da nur bedingt zu erwarten. Nachdem Rangnick zum zweiten Mal erklärt hatte, warum es im deutschen Spiel so erstaunlich gehakt hatte, wurde das Geschehen des Abends vorerst abgehakt und ein – nun ja – neues Thema aufgerufen: die Europameisterschaft 2012.

Es war Opdenhövel selbst, der sehr schnell feststellte, dass über Begriffe wie „Führungsspieler“ und „flache Hierarchie“ ja andauernd gesprochen würde, und es war Bierhoff, der sehr schnell feststellte, er, Opdenhövel, würde ja auch schon wieder damit anfangen. Rangnick wiederum sagte sinngemäß, die ganze Diskussion sei Quatsch.

Nett, aber wofür?

Wohlfahrt sagte, er wolle dazu nichts sagen, er sei ja Torwarttrainer der österreichischen Nationalmannschaft, nicht der deutschen. Was also tun? Die Lösung: sich kurzfristig von jeder Aktualität verabschieden und sich ins Jahr 1997 begeben, in dem Wohlfahrt unter dem Trainer Jogi Löw mit dem VfB Stuttgart den DFB-Pokal gewonnen hatte.

Das nun folgende nette, weil nostalgietrunkene Gespräch war allerdings rasch beendet, Wohlfahrt ruhte fortan wieder in sich, denn scheinbar gab es doch noch einiges über die deutsche Nationalelf zu erörtern. Dann war nach 30 Minuten Schluss. Im Vergleich mit „Waldis Club“ war der „Sportschau-Club“ ein Spektakel, das mit Grimme-Preisen zugeschüttet werden müsste. Lässt man den Vergleich beiseite, dann drängt sich jedoch die Frage auf, was eigentlich so schlimm daran wäre, einen Fußballfernsehabend schon um 23.30 Uhr zu beenden.