25 Jahre Kölner „Tatort“: Jubiläumsfolge mit Josef Hader

Seit einem Vierteljahrhundert ermitteln Schenk und Ballauf nun schon in der Domstadt. Diesmal müssen sie den Mörder einer drogensüchtigen Stricherin finden.

Wer hatte in der Tatnacht Dienst im Wohnwagen-Verleih? Frank Baumgartner (Josef Hader) unterstützt Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) bei den Ermittlungen. 
Wer hatte in der Tatnacht Dienst im Wohnwagen-Verleih? Frank Baumgartner (Josef Hader) unterstützt Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) bei den Ermittlungen. WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke

Die beiden 19-jährigen Mädchen scheinen unzertrennlich zu sein: Lara und Kim rempeln sich provozierend frech durch die Kölner City. Auf ihrer WG-Couch stechen sie sich gegenseitig Schmetterlings-Tattoos – doch dann setzen sie sich die Heroin-Spritze. Und obwohl Kim schwere Halluzinationen hat, sich inmitten eines Feuermeers sieht und nur bedingt wieder zu sich kommt, gehen die beiden abends auf den Straßenstrich. In der „Verrichtungsbox“ bieten sie sich für schnellen Sex an. Am nächsten Morgen treibt Lara tot in einem Stausee: verprügelt, vergewaltigt, erdrosselt. „Da macht man das schon so viele Jahre“, sinniert Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär). „Und doch greift es einen immer wieder an.“

Seit 25 Jahren arbeiten Schenk und Ballauf (Klaus J. Behrendt) nun schon zusammen als Kölner „Tatort“-Duo und haben in bisher 84 Fällen wahrlich schon viel Elend erlebt. Diesmal beweisen sie nicht nur ihre erwartete soziale Ader, sondern auch ihre lässige Eingespieltheit: Flüchtende Verdächtige werden mittlerweile ohne Rennerei gefasst. Doch zum Jubiläum lassen sich die altgedienten Kommissare nicht etwa feiern, sondern rücken sogar zurück in die zweite Reihe.

Auch das hat Tradition in der Domstadt. Die Autoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf hatten in ihren vorigen Drehbüchern für den Kölner „Tatort“ schon den phlegmatischen Assistenten Norbert Jütte (Ronald Riebeling) in den Mittelpunkt gerückt. Im Fall „Weiter, immer weiter“ geriet er in den Verdacht, Dienstgeheimnisse zu verkaufen, im Fall „Der Reiz des Bösen“ recherchierte Jütte einen Fall so lange eigenmächtig, bis er einen Herzinfarkt erlitt. Noch dramatischer war nur der Abgang der Kölner Kripo-Sekretärin: Franziska (Tessa Mittelstädt) musste nach 14 Jahren Dienst qualvoll sterben.

Josef Hader in seinem ersten „Tatort“

Der Fall „Spur des Blutes“ rückt nun Kriminaltechnikerin Natalie (Tinka Fürst) ins Zentrum, die seit 2019 fest zum Team gehört. Eine der drei DNA-Spuren, die an der ermordeten Lara gefunden werden, scheint merkwürdigerweise zu ihr zu gehören, was Natalie den Kollegen mit einer Verunreinigung erklärt. Dabei hatte sie diesen Job eigentlich nur angetreten, um genau auf solch eine Spur zu stoßen: Sie war als Kleinkind adoptiert worden und sucht in Köln nach ihrem leiblichen Vater. Genau genommen, geht es bei der „Spur des Blutes“ also um die „Spur des Spermas“.

Mit der Besetzung des verdächtigen Mannes ist dem WDR ein Coup gelungen: Denn der Wiener Kabarettist, Schauspieler und Regisseur Josef Hader war tatsächlich noch nie in einem „Tatort“ aufgetreten. Er spielt hier einen irritierend hilfsbereiten Typen, der sich rührend um Natalie kümmert, die ihm absichtlich mit dem Fahrrad vors Auto gefahren ist. Der Mann ist ein Naturfreund und betreibt einen Wohnwagenverleih, in einem seiner Fahrzeuge wurde die tote Lara transportiert. Tinka Fürst und Josef Hader machen die Begegnung zum schauspielerischen Höhepunkt des Films. Natalie geht ein hohes Risiko ein, während bei ihrem Gegenüber lange nicht klar ist, ob er ihr Spiel durchschaut. Ansonsten bleibt der Kölner „Tatort“ in der Regie von Debütantin Tini Tüllmann ein eher durchschnittlicher Krimi, der seine visuellen Highlights bereits in den ersten fünf Minuten verschießt. Die Luftaufnahme, die die tote Lara inmitten des rostroten Stausees zeigt, wird zum Bild, das bleibt.

Wertung: 3 von 5

Tatort: Spur des Blutes. So, 23. Oktober, 20.15 Uhr, ARD