Berlin - Zweimal trifft der Polizist Harry (Wolfram Koch) auf den Familienvater Ronald Schneider (Godehard Giese) im Auto. Beim ersten Mal erwischt er ihn beim Telefonieren am Steuer, hält ihn an und verwickelt ihn in einen Plausch. Beim zweiten Mal ist Harry noch auf dem Weg zum Dienst und muss den sterbenden Schneider aus dem Unfallwagen ziehen – dessen gesamte Familie ist verunglückt. Ihm wird psychologische Betreuung angeboten, doch Harry lehnt ab. Als früherer SEK-Mann glaubt er, resistent zu sein. Stattdessen dringt ins haus des Gestorbenen ein und stellt sich das Leben dieser Familie vor. Schließlich trägt er den Pullover des Toten und rasiert sich so wie er.

Die Filmemacherin Elke Hauck war vom Schicksal einer Familie, die immer alles gemeinsam unternahm und dann einen schweren Unfall erlitt, inspiriert worden. 1967 in Riesa geboren, hatte sie bislang nur eine schmale berufliche Vita: Ihr letzter Spielfilm „Der Preis“ über einen Architekten, der in seine ostdeutsche Heimatstadt zurückkehrt, lief vor zehn Jahren auf der Berlinale. „Gefangen“, ihre erste Fernseharbeit, ist weder ein Problemfilm über einen traumatisierten Polizisten noch ein Mystery-Thriller über ein Haus, in dem die Toten spuken, sondern ein Psychodrama betont filmischer Art, getragen von der elegisch-düsteren Filmmusik von Tobias Wagner. Selten wird im Fernsehen in entscheidenden, prägenden Momenten so wenig gesprochen, und selten wird dem Zuschauer so viel assoziativer Raum gelassen wie hier.

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