Die Jugendlichen, die nachts am Hafen baden, machen eine erschreckende Entdeckung: Immer mehr hilflose, verstörte Menschen tauchen aus dem Meer auf. Sie sprechen eine seltsame Sprache und tragen zerrissene Klamotten. Die Serie „Beforeigners“ arbeitet mit bekannten Assoziationen. Doch die Szene spielt nicht etwa auf einer Insel im Mittelmeer, sondern im Hafen von Oslo. Und die Geretteten stammen nicht aus Afrika oder einem Krisengebiet in Nahost, sondern aus früheren Epochen. Ein rätselhafter Zeitstrom spült immer mehr Migranten aus der Steinzeit, der Wikingerzeit und dem 19. Jahrhundert nach Norwegen. Einige Jahre später sind es Zehntausende.

Zeitreisen im Film sind beliebt. Mal als Fantasy-Spektakel wie in Terry Gilliams „Time Bandits“, mal als launiger Klamauk wie im Kinohit „Die Besucher“, als Jean Reno und Christian Clavier in Ritterrüstung durch Frankreich rasselten, mal als philosophische Hirnakrobatik wie jüngst in der Netflix-Serie „Dark“. Doch „Beforeigners“, die erste norwegische Serie für den US-Konzern HBO, hat eine ganz eigene Grundidee: Die „Zeitmigranten“ rufen kein Aufsehen mehr hervor, sondern werden einfach Teil der Gesellschaft. Viele haben die Sprache gelernt und sind integriert, andere halten Parallel-Gemeinden aufrecht. So stehen in Oslo Märkte mit Ziegen und Hühnern, derbe Wikinger entfachen abends Lagerfeuer im Park oder betreiben urige Bars, in denen der Met fließt. Hie und da sitzt ein Steinzeitmensch im Baum oder fährt Skateboard.

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