Kiel - Wenn sich ein Kommissar schon im Filmtitel mit der „Angst der weißen Männer“ auseinandersetzen muss, bekommt man es als weißer Mann tatsächlich schon vorher mit der Angst zu tun: Wird dieser „Tatort“ etwa ein Belehrstück über „toxische Männlichkeit“, ein ideologisches Traktat über den Geschlechterkampf?

Die ARD hat diesen „Tatort“ ausdrücklich zum 100. Jahrestag des Internationalen Frauentags ins Programm gestellt. Dieser Krimi kredenzt zum Jubiläum nicht etwa eine Pralinenschachtel mit Piccolo-Fläschchen, sondern harte Kost. Eine junge Frau wird im dunklen Parkhaus überfallen, ein junges Mädchen wird nach einem Clubabend mit zertretenen Knochen tot am Ufer gefunden.

Ähnlich hart geht es im „Frauentagsfilm“ des ZDF am 8. März zu: Da verliert eine junge Mutter ihr Kleinkind und entführt ein fremdes Kind – und der Kommissar ist ausgerechnet ihr Mann. Der Kieler „Tatort“ findet aber schon am Anfang ein originelles Bild für die gefährlichen weißen Männer: Denn die Täter im Parkhaus tragen weiße Overalls, wie man sie von der Spurensicherung kennt, und am Fundort der Leiche tauchen bedrohlich viele Männer in weißen Kapuzenanzüge auf, sodass die „Spusi“ fast wie der Ku-Klux-Klan wirkt und die Bedrohung nahe an die Kommissare heranrückt.

Die männliche Arroganz im Amt wird leider auf die übliche Weise vorgeführt: Ein Idiot vom Verfassungsschutz redet Kommissarin Mila Sahin (Almira Bagriacik) mit „Liebste“ an und ignoriert sie im Übrigen. Interessanter ist das Psychogramm eines jungen Mannes, der die Tote vom Ufer zuvor im Club getroffen hatte. Joseph Bundschuh spielt einen linkischen, gehemmten Typ, mit dem man Mitleid haben könnte, würde er sich nicht gleichzeitig in frauenfeindlichen Online-Foren als „XXXHunter“ tummeln.

Der Mann als Raubtier, das Weib als Beute

Spannend wird es, als dieses weiße Männchen eine Bekanntschaft zum Date einlädt – gespielt wird sie von der Schwester Mathilda Bundschuh. Sein Wissen über Frauen bezieht der junge Kerl von den Seminaren eines obskuren Männer-Coaches (Arnd Klawitter), der seine Teilnehmer auffordert, endlich wieder dominant zu sein: Der Mann als Raubtier, das Weib als Beute. Wie schon im 2017er-Fall „Borowski und das dunkle Netz“ steigt der Kommissar (Axel Milberg) in finstere Abgründe und holt sich eine blutige Nase. Etwas kurzschlüssig, wie im Zeitraffer, führt der Krimi von Autor Peter Probst und Regisseurin Nicole Weegmann vor, wie Hetze im Netz zu realer Gewalt führt. Der Zuschauer lernt die Gefährlichkeit von „Incels“ kennen – Männer, die unfreiwillig im Zölibat leben und zu Frauenhassern werden. Insgesamt aber ist dieser Fall nicht die befürchtete Belehrung, sondern ein solider Thriller, der seine bedrohlichen Momente nicht mit dem Abspann ausklingen lässt.

Tatort: Borowski und die Angst der weißen Männer – So, 7.3., 20.15 Uhr, ARD