Achtzehn Jahre sind eine lange Zeit. Ein Mensch braucht so lange, um (juristisch) erwachsen zu werden. Dass Claus Kleber Ende 2021 das ZDF verlässt und damit die Moderation des „heute-journals“ aufgibt, kommt einem deshalb wie das Ende einer Lebensetappe vor. Kleber wird im September 66, Ruhestand in diesem Alter ist nicht unüblich.

Der Sender weist bei Nachfragen darauf hin, dass wir gerade noch Juni haben und die Bundestagswahl (die übrigens die Ära Merkel nach sechzehn Jahren beenden wird) vor uns, der Scheidende also noch einiges zu tun hat. Der Sprecher informiert außerdem, dass die Nachricht seit einem knappen Jahr bekannt sein dürfte. Damals hatte der Arbeitgeber Kleber erfolgreich darum gebeten, seinen auslaufenden Vertrag um sechs Monate zu verlängern. 

Volljurist mit Humor

Das „heute-journal“, das Claus Kleber seriös und kompetent im Wechsel mit der nicht minder seriösen und kompetenten Marietta Slomka moderiert, erfreut sich anhaltender Zuschauergunst. Mag es auch Stimmen gegen die öffentlich-rechtlichen Sender geben, ein moderiertes Nachrichtenmagazin von einer knappen halben Stunde Länge fasst offenbar für viele Menschen den Tag sinnvoll zusammen. Im Jahr 2020 sahen laut AGF/GfK-Fernsehforschung im Durchschnitt rund 4,32 Millionen Zuschauer das „heute-journal“. Das Duo Kleber/Slomka wird damit von deutlich mehr Menschen beim Arbeiten betrachtet als dessen Kollegen bei den ARD-„Tagesthemen“, die eine halbe Stunde später anfangen. 2020 hatten sie laut Statistik 2,52 Millionen Zuschauer.

Claus Kleber ist Volljurist, promoviert, gilt wegen seiner Korrespondentenjahre im Studio Washington als Kenner der US-Politik, schrieb  mehrere Bücher und drehte mehrteilige Fernsehdokumentationen. Ob er etwas davon fortsetzt, verrät er noch nicht. Dass er auch Humor hat, zeigte er anlässlich der Meldungen zu seinem Abschied. Auf Twitter korrigierte er einen fehlerhaften Satz. „Kleber moderiert seit 2003 Jahren die Nachrichtensendung“, stand da. Er setzte vor die Jahreszahl das Wörtchen „gefühlt“.