Berlin - Zwei Freunde aus Lübeck fuhren im Sommer 1988 nicht, wie die meisten Leute ihres Alters, an den Gardasee oder die Adria, sondern Richtung Osten, sie wollten nicht nur die Ostseeküste der DDR, sondern das gesamte Nachbarland bereisen. Aber sie konnten sich nicht einfach ins Auto setzen und losfahren, sondern mussten eine Reise buchen, Anträge ausfüllen, ein Visum beantragen, durften nur die teuren Intercamp-Zeltplätze und Interhotels nutzen und mussten Zwangsumtausch und Grenzkontrollen über sich ergehen lassen. Am Übergang Schlutup zeigte ihnen der DDR-Grenzer, wie die Rückbank umgelegt und das Reserverad ausgebaut wird – Materialkunde und Klischee.

Die vom RBB betreute Doku „Grüße aus der DDR – Reisen in den Sozialismus“ zeigt, in welch unauflöslichem, mitunter bizarrem Dilemma ein Staat steckte, der zwar gern die Devisen der Touristen aus dem Westen wollte, sogar in Fernsehshows um sie warb, der diesen Gästen gleichzeitig aber misstraute, ihnen nur wenige Kontakte zugestand und sie überwachen ließ. Dass DDR-Besucher nicht nur neugierig auf deutsche Baudenkmale waren, sondern auch auf die Menschen ihrer Sprache, schien die Verantwortlichen immer wieder zu überraschen.

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