Berlin - Die gesellschaftliche Spaltung schreitet voran und schaufelt ständig neue Gräben. War es 2015 noch die Flüchtlingsfrage, in der sich große Teile der Bevölkerung unversöhnlich gegenüberstanden, so erproben sich die Sinne der Unerbittlichkeit seit nunmehr eineinhalb Jahren an der Corona-Pandemie, die es zunächst überhaupt nicht gab und wogegen nun kein Impfschutz hilft. Wo früher Meinungen frei flottierten, denen man mit Zu- oder Widerspruch begegnen konnte, droht nun die gesellschaftliche Spaltung als unüberwindliche Kluft. Und wenn einmal die Kraft zum Argument fehlt, greift man in den sogenannten sozialen Medien nach Likes, Emojis und GIFs. Im Eifer des Spaltens soll es, bitte schön, doch auch lustig zugehen.

Am vergangenen Wochenende ist ein neues Sujet agonaler Unvereinbarkeit in Erscheinung getreten, ein alter Bekannter ist zurück, auf den man sich in schwachen Momenten früher schnell als unverfänglichen Übermittler kultureller Harmlosigkeit verständigen konnte: Thomas Gottschalk und seine vor geraumer Zeit in die Fernsehhistorie verabschiedete Unterhaltungsshow „Wetten, dass..?“.

Und das sagt Sigmund Freud

Nun aber duldet die Gier nach ungebremster Wut keine Leitplanken mehr: Die Frage, ob die ZDF-Show wieder regelmäßig im Fernsehen laufen soll, so meldete am Dienstag besorgt die Deutsche Presse-Agentur, „spaltet in Deutschland die Gemüter. Laut einer aktuellen Online-Umfrage sind 40 Prozent der Erwachsenen in Deutschland dafür, den Klassiker in der einen oder anderen Form wieder regelmäßig auszustrahlen.“ 35 Prozent seien gegen weitere Shows aus der Reihe, so habe es das Meinungsforschungsinstitut Yougov ermittelt.

Und wenn die einschlägigen Institute die vereinzelt Befragten erst einmal zu Lagern bündeln, ist der Vollzug des Comebacks nicht mehr weit. Kann es ein Zufall sein, dass sich parallel zur Koalitionsbildung zwischen SPD, FDP und Grünen Abba wiedervereinigt haben? Für was – zum Teufel – ist Gottschalks Rückkehr die Rache?

Ein klarer Fall für Sigmund Freud. „Die Euphorie“, so schrieb er, „welche wir auf diesen Wegen zu erreichen streben, ist nichts anderes als die Stimmung einer Lebenszeit, in welcher wir unsere psychische Arbeit überhaupt mit geringem Aufwand zu bestreiten pflegten, die Stimmung unserer Kindheit, in der wir das Komische nicht kannten, des Witzes nicht fähig waren und den Humor nicht brauchten, um uns im Leben glücklich zu fühlen.“