Die ARD startet im nächsten Jahr eine neue Gemeinschaftseinrichtung Kultur mit Sitz im thüringischen Weimar. Alle neun ARD-Rundfunkanstalten unterzeichneten in dieser Woche auf der Intendantensitzung in Köln gemeinsam eine entsprechende Verwaltungsvereinbarung, wie die ARD am Donnerstag mitteilte. Dieser müssen Gremien nun noch zustimmen. Die Einrichtung der öffentlich-rechtlichen Sender entsteht demnach vernetzt mit ZDF und Deutschlandradio. Neben der Gemeinschaftseinrichtung in Weimar wird in der Programmdirektion des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) am Standort Halle in Sachsen-Anhalt künftig die Verantwortung für die ARD Koordination Kultur liegen, wie es weiter von der ARD hieß.

Damit wird sie unter anderem für die gemeinschaftlichen Kulturformate für das Programm Das Erste und die Kuratierung der Kulturangebote der ARD Mediathek zuständig sein. Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra hat diese Entscheidung kritisiert. „Wir nehmen mit starkem Bedauern und Enttäuschung zur Kenntnis, dass die Gemeinschaftseinrichtung ARD Kultur nicht ebenfalls nach Halle, sondern nach Weimar geht“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag in einem Statement. Die Entscheidung sei jedoch zu respektieren, die ARD stärke damit die Präsenz im Gebiet des Mitteldeutschen Rundfunks.

Stärkung von Audiothek und Mediathek

Robra sagte, nachvollziehbare Sachgründe, warum das digitale Kulturportal der ARD nicht an den Standort der trimedialen Kulturangebote des MDR nach Halle komme, seien „nicht erkennbar“. Er warf der ARD vor, es entstehe der Eindruck, die Standortentscheidung sei von der Entscheidung des Landes zur Erhöhung des Rundfunkbeitrages beeinflusst. Die damalige schwarz-rot-grüne Landesregierung von Sachsen-Anhalt war an dem Streit über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages beinahe zerbrochen. Die CDU hatte die Erhöhung Ende des vorigen Jahres strikt abgelehnt, die Koalitionspartner SPD und Grüne wollten sie mittragen. Um zu verhindern, dass die CDU-Fraktion die Erhöhung mit den Stimmen der AfD blockiert, hatte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Entscheidung dem Landtag entzogen und so für ein Veto Sachsen-Anhalts gesorgt, ohne dass das Parlament darüber abgestimmt hatte.

Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow sagte am Mittwoch: „Wir haben eine digitale Heimat für Kulturbegeisterte versprochen, jetzt lösen wir mit ARD Kultur gemeinsam ein: mehr Sichtbarkeit für die vielfältige und reichhaltige deutsche Kulturlandschaft, eine Stärkung von Audiothek und Mediathek und neue kreative und innovative Formate.“ 2022 wird ARD Kultur mit einem kulturellen Ideenwettbewerb zur Frage starten, was die Gesellschaft zusammenhält.

Die ARD hat mehrere Gemeinschaftseinrichtungen. Dazu zählt zum Beispiel ARD-aktuell in Hamburg, das Hauptstadtstudio in Berlin oder die ARD-Spielfilmtochter Degeto in Frankfurt am Main.