Man guckt ja nicht hin, aber wenn doch, ist so ein Fernsehzeitschriftenregal der blanke Horror der Homogenität. Klone mit perfekten Zähnen, rosigen Wangen, kleinen Nasen und welligem Blondhaar strahlen einen an, allenfalls die Farbe der Augen (oder Kontaktlinsen?) variiert. Und das ist nur das Gesicht! Auch der Körper muss den identifikatorischen Standards der Werbung entsprechen: schlank, sauber, glatt, definiert. Und all das wird in den Social-Media-Kanälen tausendfach imitiert. Wir ahnen nicht, welchem Anpassungsdruck wir Kinder und Jugendliche aussetzen. Der Wunsch dazuzugehören artet in alle Spielarten der Selbstkasteiung aus, von denen das Ausreißen von Beinhaar vielleicht noch die mildeste Form ist.

Und wie groß ist der Schreck oder auch die Enttäuschung, wenn man dann auf einmal einem echten Menschen gegenübersteht. Einem mit Beulen an der Wampe, Flecken auf der Haut, Haaren unter den Achseln, Pickeln am Bein, Schuppen auf dem Kopf? Vielleicht um ihre Kinder davor zu bewahren, haben innerhalb kurzer Zeit über 100.000 Niederländerinnen und Niederländer eine Petition gegen die Kindersendung „Einfach. Nackt“ („Gewoon. Bloot“) unterschrieben. Ein Bollwerk der Prüderie.

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