Berlin - Vor ein paar Tagen hat die britische Sängerin Adele eine neue Single veröffentlicht: „Easy On Me“, ein neues Album soll in ein paar Wochen folgen. Lange hat man von ihr nichts gehört und gesehen, nun präsentiert sie sich mit alter Stimmgewalt, aber äußerlich verändert. Das Video, eine Art Mini-Spielfilm, das von biografischem Wandel handelt, wurde inzwischen über 70 Millionen mal aufgerufen. Metamorphosen und das Versprechen auf Authentizität sind seit jeher ein Treibmittel des Pop, es kommt darauf an, sie zu vollziehen oder wenigstens zu suggerieren.

Wie man derlei inszeniert, weiß man auch dort, wo die künstlerischen Mittel beschränkt sind. Über jeden Teilnehmer einer Castingshow wird inzwischen ein flottes Video fabriziert, das TV-Format verheißt in zahlreichen Ausgaben gleich serienweise die Verwandlung vom Aschenputtel zum Showstar.

Aber die Mechanismen sind vor Abnutzung nicht gefeit. Wie sehr, musste nun auch Helene Fischer erfahren, die zuletzt alles daran gesetzt hatte, einen ähnlichen Starappeal zu verbreiten wie Adele, Pink oder Lady Gaga, im einheimischen Maßstab, versteht sich.

Nur 10,6 Prozent Einschaltquote

Nun also „Rausch“, das neue Album, und „Im Rausch der Sinne“, ein von ihr selbst produzierter Film, in dem sie verspricht, mehr von sich selbst zu zeigen als jemals zuvor. Worin dieses „mehr“ bestehen mag, bleibt auch nach der Ausstrahlung am Sonnabend im ZDF ihr Geheimnis. Es ist ein Dokument der freiwilligen Selbstkontrolle, der „Rauschpegel“ ist auf niedrigem Niveau gedrosselt, mit großem technischen Aufwand wird Emotionalität angedeutet und bilderreich unterdrückt. „Was du willst, will ich auch“ lautet eine Zeile des Titelsongs, es hört sich an wie der Soundtrack einer Restaurant-Szene, in der ein Paar das gleiche Gericht bestellt.

Die Fernsehzuschauer haben es wohl ähnlich gesehen. Am Sonnabend schalteten 2,81 Millionen ein, das sind 10,6 Prozent. Beim „Erzgebirgskrimi“ waren zuvor noch 6,83 Millionen Menschen vorm Gerät.