Im „Tatort“ Wiesbaden kriegt jeder, was er verdient

Hat Felix Murot versehentlich mit seiner Tochter geflirtet? Ulrich Tukurs Kommissar ermittelt in den skurrilsten Tatorten überhaupt. Dieser ist keine Ausnahme.

Unwissentlicher Familienflirt? Eva (Anna Unterberger) und Felix Murot (Ulrich Tukur) an der Bar.
Unwissentlicher Familienflirt? Eva (Anna Unterberger) und Felix Murot (Ulrich Tukur) an der Bar.HR

Der Titel klingt reichlich hochtrabend. „Murot und das Gesetz des Karma“ – das lässt einen „Tatort“ als fernöstlich inspiriertes Traktat über Wiedergeburt befürchten. Doch eigentlich spielt ja jeder Krimi mit dem Karma: Jeder Täter wird von den Folgen seiner Tat eingeholt, manche später, manche sofort. So wie der IT-Experte (Dirk Martens), der mit dem Insiderwissen auf seinem Laptop seine Firma erpressen will. Eine Trickdiebin (Anna Unterberger) im Hotel klaut ihm den Rechner. Den Abgesandten der Firma (Thomas Schmauser), der den Laptop für viel Geld auslösen soll, macht der Verlust so wütend, dass er den Erpresser erstickt.

Auch beim LKA-Mann Felix Murot (Ulrich Tukur) folgt die Strafe auf dem Fuß: Gerade hatte er sich im selben Hotel mit einem privaten, bei seiner Behörde nicht angemeldeten Vortrag für eine Versicherung etwas Geld dazuverdient, da wird er von derselben Trickdiebin erleichtert. Die junge Frau träufelt ihm beim Plausch in der Bar K.o.-Tropfen in den Wein, klaut ihm im Hotelzimmer Geld, Ausweise und scannt den Schlüssel. Die Karma-Kette setzt sich fort: Als die Diebin daheim ihre Beute begutachtet, fällt ihr auf, dass das Bild in der uralten Fahrerlaubnis ihres Opfers einem früheren Geliebten ihrer Mutter ähnelt, was die bange Frage aufwirft: Hat sie im Hotel etwa mit ihrem Vater geflirtet und ihn dann bestohlen?

Bachredner, Schlagersänger, Vaterschaftstest

Die „Tatorte“ des Hessischen Rundfunks mit Ulrich Tukur, die seit 2010 einmal jährlich laufen, sind weder Tätersuchspiel noch Sozialdrama, sondern spielen mit Genres, Stilen und Zitaten. Murot stand meist im Mittelpunkt: Er musste eine Hirn-OP überstehen, war in einer Zeitschleife gefangen und sah sich seinem Doppelgänger gegenüber. Vor einem Jahr steckte er in einer arg gedrechselten „systemischen Familienaufstellung“ fest. Diesmal sind die Anspielungen und Zitate eher lose eingewebt. Wer will, kann in der Vater-Tochter-Frage einen Hauch von Max Frischs „Homo Faber“ finden. Das Schmalfilm-Video, das den Film eröffnet und die frühere Geliebte von Murot zeigt, spielt in Griechenland, also dort, wo auch Faber mit seiner Tochter unterwegs war. Kameramann Max Preiss hatte den charmanten Film auf Youtube entdeckt und in den Film eingebaut. Felix Murot muss jedenfalls nicht nur einen Fall klären, sondern einen Vaterschaftstest in Auftrag geben – Ulrich Tukur bekommt viele dankbare Szenen.

Der Film von Lars Hubrich (Buch) und Matthias Oberg wirkt ohnehin nicht schicksalhaft schwer oder spirituell bemüht, sondern ist ein leichter Reigen, in der jeder mit jedem verbunden ist. Nur Barbara Philipp als Murots LKA-Kollegin Magda Wächter bleibt der bodenständige, nüchterne Gegenpol. Die Nebenfiguren liefern oft skurrile Auftritte ab. So spielt Jan Georg Schütte, ansonsten als Regisseur seiner Improvisations-Filme bekannt, einen überdrehten Schlagersänger namens Holger Hobel, zu dem Murots Geliebte einst in Griechenland übergelaufen war. Sascha Nathan taucht als Bauchredner auf, der nebenbei einen Waffenhandel betreibt. Einen Wienerisch schnarrenden Schurken spielt mal wieder Philipp Hochmair – der Chef einer an „Wirecard“ erinnernden Hochstapler-Firma zieht seinen Mann fürs Grobe (Thomas Schmauch) gern an den Ohren. Dieser Tölpel wiederum wird für seine Missetaten mit immer absurderen Missgeschicken bestraft, auf die man sich schon freut. So gerät dieser elfte „Tatort“ mit Murot zwar nicht so spektakulär wie einige Vorgänger, ist auch nicht besonders spannend – aber immer unterhaltend.

Wertung: 3 von 5 Punkten

Tatort: Murot und das Gesetz des Karma. Sonntag, 25. September, 20.15 Uhr, ARD