Marl - Im Wettbewerb um die plakative Präsentation der Breaking News hat sich die ARD-Journalistin Isabel Schayani schon immer wohltuend von der um Aufmerksamkeit ringenden Konkurrenz abgehoben. Mit warmer Stimme und einem Blick auch für scheinbare Nebensächlichkeiten hat die 1967 in Essen geborene deutsch-iranische Journalistin einen Moderationsstil entwickelt, der auf Genauigkeit aus ist und Zwischentöne zulässt.

Wenn es darauf ankommt, scheut Isabel Schayani jedoch nicht davor zurück, sich ins Getümmel zu stürzen. Als Reporterin hat sie seit 2019 wiederholt über die Zustände im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos berichtet. Und sie war auch vor Ort, als das Lager im Herbst 2020 nach einer Brandstiftung völlig zerstört worden war.

Anders als viele ihrer Kolleginnen und Kollegen, auf die sich die Hektik eines schnell vorm Unglücksort platzierten Sendewagens oft überträgt, saß sie ruhig und aufnahmebereit inmitten einer Familie, die sie über Monate begleitet hatte und sich nun mit den Folgen der materiellen und seelischen Zerstörung konfrontiert sah.

Der Blick in die Welt und zurück

Für ihre einfühlsame Berichterstattung, in der sie bei aller Empathie eine professionelle Distanz nicht aus den Augen verlor, ist Isabel Schayani nun mit einem Grimme-Spezialpreis ausgezeichnet worden: für ihre Interaktions- und Vermittlungsleistung aus Moria.

Der Wille zum Journalismus war bei Isabel Schayani früh entwickelt. Als Schülerin arbeitete sie beim WDR-Jugendradio „Riff“ und moderierte die Kindernachrichten „Logo!“ im ZDF. Ihr auffälliges Talent wusste sie mit vielfältigen Interessen zu kombinieren. Schayani arbeitete für das ARD-Morgenmagazin, moderierte verschiedene Hörfunksendungen und schrieb für überregionale Tageszeitungen. Von ihrem iranischen Vater hat sie Farsi gelernt, im Studium kam Arabisch als Fremdsprache hinzu, was sie für Auslandsberichterstattung prädestinierte. Ihren Blick auf die deutsche Gesellschaft hat Schayani als Moderatorin des multikulturellen Magazins „Cosmo TV“ und als Redakteurin des ARD-Magazins „Monitor“ geschärft. Der Grimme-Preis für sie ist zugleich einer für Sendeformate, die nicht unbedingt zu den Quoten-Rennern gehören.