Hauptkommissar Peter Faber wohnt eher in seinem Parka als in irgendeinem Haus. Familie hat er nicht mehr. Nachdem er selbst schon einige Kollegen vertrieben hat, wurde ihm nun noch seine letzte Vertraute, Hauptkommissarin Martina Böhnisch, weggeschossen. Diese Personenkonstellation beschreibt den Fernseh-„Tatort“ aus Dortmund, wie er seit 2012 bestand. Nach dem Abgang von Sascha Bukow (Charly Hübner) aus dem „Polizeiruf“ hatten die Krimizuschauer an diesem Sonntag den Serientod von Martina Bönisch (Anna Schudt) zu verkraften. Aber Faber, gespielt von Jörg Hartmann, bleibt da. Der verantwortliche Redakteur beim WDR versichert: „Jörg Hartmanns Engagement ist so groß wie eh und je.“ Wir können verraten: mehr als das.

Für Berliner Theatergänger ist die Verwandlung des Schauspielers ins Fernsehformat stets interessant zu beobachten. Der 1969 in Hagen, zwanzig Kilometer südlich von Dortmund, Geborene war hier von 1999 bis 2009 und ist seit 2016 wieder an der Schaubühne engagiert. Als Lehrer in „Jugend ohne Gott“ oder als Professor Bernhardi im gleichnamigen Stück zeigt er sich als Autorität mit Makeln, die eine Bühne ausfüllen kann, auch ohne dass die Kamera den Blick führt.

Aus der Beobachtung dieser Präsenz ist Hartmann für Film und Fernsehen zur Idealbesetzung von Führungsfiguren geworden, die nur einen Hauch Schwäche zeigen. Als Stasi-Offizier Falk Kupfer in der Serie „Weissensee“ ließ er vom staatstreuen Ekel nach und nach etwas Überzeugungslack abbröckeln. Das brachte ihm den Grimme- und den Deutschen Fernsehpreis ein. In Josef Haders „Wilde Maus“, 2017 bei der Berlinale im Wettbewerb, gab er einen Zeitungs-Chefredakteur. Als der den Kulturredakteur rauswirft, bittet der, ans Publikum zu denken, aber der Chef sagt: „Ihre Leser sind zum Großteil schon tot.“

Jörg Hartmann steht ab März wieder vor der „Tatort“-Kamera, diesmal wird ihm der Text leicht von den Lippen gehen. Er hat das Drehbuch der neuen Folge geschrieben. Vorab sagte er: „Definitiv werden Faber und Co. nach diesem Schock, nach dem Trauma von Bönischs Tod, nicht einfach weitermachen, als wäre nichts geschehen.“