Berlin - Wer zählt die Tränen, nennt die Namen? Als sich Thomas Gottschalk endlich an den gedachten Schluss- und Höhepunkt der Sendung macht und mit seinen Mitmoderatoren Frank Elstner und Wolfgang Lippert zu einer gemeinsamen Blutspende schreitet, gleicht der Sound im Saal endgültig dem eines riesigen kreischenden Möwenschwarms. Von den 2000 Zuschauern in der Düsseldorfer Philipshalle sind gefühlt drei Viertel weiblich, minderjährig und von Schreikrämpfen geplagt. Es ist der 30. März 1996, wir sind bei der 100. Ausgabe von „Wetten, dass ..?“, vor allem aber sind wir bei einem pophistorischen Ereignis: dem letzten Auftritt von Take That in Deutschland.

Frank Elstner, der Vollprofi und „Wetten, dass ..?“-Erfinder, ist der Einzige, der am Ende die Nerven behält. „Machen Sie das hauptberuflich?“, fragt er die Krankenschwester, als sie ihm die Nadel in den Arm jagt. Alle anderen ringen da längst und mit nicht zu kaschierender Verzweiflung um Fassung. „Alles, alles wurde überrollt, überrannt, übermannt von einer juvenilen Hysterie, wie es sie im deutschen Unterhaltungsfernsehen vermutlich noch nie gegeben hat“, schrieb der Autor dieser Zeilen seinerzeit als junger Reporter der Süddeutschen Zeitung: Inge Meysel und Karlheinz Böhm, der Wettkönig und die Witwe von Heinz Rühmann, Peter Maffay und die Scorpions – und natürlich auch Thomas Gottschalk, der dem Chaos irgendwann seinen Lauf ließ.

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