Berlin - Nur eine kann „Germany’s Next Topmodel“ werden – immerhin dieses Heidi-Klum-Mantra gilt auch in der 16. Topmodel-Staffel, die ansonsten wenig gemein hatte mit den Folgen aus der Vergangenheit. Aber am heutigen Donnerstagabend (ab 20.15 Uhr, ProSieben) wird nach etwa drei Stunden Show feststehen, wer die Gewinnerin der 2021er-Ausgabe der Klum’schen Modelsuche ist: Soulin aus Hamburg, Romina aus Köln, Dascha aus Solingen oder Alex aus Köln.

Aus Berlin kommt keine der vier Finalistinnen, dafür aber war Location-technisch noch nie so viel Berlin bei GNTM. Pandemiebedingt wurde nahezu die ganze Staffel in der Hauptstadt gedreht. Keine Langstrecken-Trips zur Amfar-Gala nach New York, keine Model-Villa in Los Angeles, kein Fotoshooting in Costa Rica – eine ganz und gar klimafreundliche Veranstaltung, wenn man so will.

Die Kandidatinnen wohnten in einem Loft im Berliner Norden, posierten als Fashion-Divas mit Einkaufstüten vor den Türen des Hotels Adlon und wankten in der Mall of Berlin über einen Catwalk in luftiger Höhe. Das Finale heute Abend wird live aus den Studios in Adlershof gesendet, und es wird sich zeigen, ob Heidi Klum aus wenigen zur Verfügung stehenden Elementen eine Show machen kann, die dieser bislang durchaus angenehm zusammengeschnurrten Staffel ein würdiges Ende bereiten kann. Sympathische Kandidatinnen, bis ins Finale durchgehaltene Diversitätsversprechen – die Voraussetzungen sind jedenfalls da. Trotz (oder wegen?) weniger Zickereien und weniger Weltläufigkeitsglamour ist die aktuelle Staffel die erfolgreichste seit zwölf Jahren – mit einem Schnitt von 20 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen.

Doch emsige GNTM-Zuschauer wissen, dass die Staffel noch so gut sein kann – das Finale aber am Ende gern zur Fremdscham-Galore-Veranstaltung gerät. Viel Rummel, viel Gekreische, Superstar-Auftritte, die im Gewusel untergehen und am Ende Kopfschmerz und Ohrendröhnen: So fiel die Bilanz in den vergangenen Jahren zunehmend aus. Die 15. Staffel, die vom 30. Januar bis zum 21. Mai 2020 ausgestrahlt wurde, hatte dagegen bereits ein Pandemie-Finale.

Diese Show erwies sich als, nun ja, speziell. Das Publikum bestand aus Pappfiguren, Applaus und Gelächter kamen eingespielt vom Band. Modelmama und Chefjurorin Heidi Klum konnte wegen Corona nicht aus den USA nach Deutschland reisen und erschien daher auf einem permanent hin und her gerollten Bildschirm auf der Bühne. 

dpa/Kay Nietfeld
Moderatorin Heidi Klum bei den Dreharbeiten an einem Set im Hotel Adlon.

Ein Jahr später ist Corona immer noch da. Aber alle waren diesmal besser vorbereitet: Klum zog mit ihrer Familie von Los Angeles nach Berlin, um die ganze Zeit vor Ort zu sein. So war sie deutlich präsenter – und wirkte auch ernsthafter und mehr bei der Sache als in vorangegangenen Staffeln. Die Finalistinnen bedauerten jedenfalls nicht, in Corona-Zeiten teilgenommen zu haben. „Ich sehe da absolut einen Vorteil drin“, sagte die 23-jährige Studentin Alex am Dienstag kurz vor dem Finale. Dadurch, dass man nicht Tausende Kilometer reisen musste, hätten die Kandidatinnen Energien gespart.

Zur Finalshow hat ProSieben im Vorfeld bekannt gegeben, dass die Modelchefin erstmals in der Geschichte der Show keine Gastjuroren an ihrer Seite haben wird: „Heidi Klum fällt im großen Live-Finale ihre Entscheidungen ganz alleine.“ Hintergrund sei die Sicherheit der Kandidatinnen und die des Teams.

Heidis Ehemann ist auch dabei: Tokio Hotel stehen auf der GNTM-Bühne

Wie schon im letzten Jahr gehört der Laufsteg auch dieses Mal nur den vier Finalistinnen. Deren Familien und Freunde werden via Bildschirm ins TV-Studio geschaltet. Der klassische „Top-20-Walk“ mit den 20 bestplatzierten Teilnehmerinnen muss ausfallen, weil eines der Models kurz vorher positiv auf Corona getestet wurde.

Auch musikalisch wird die Finalshow zur kuscheligen Familienveranstaltung. Klum bereitet ihrem Ehemann Tom Kaulitz und dessen Zwillingsbruder Bill die Bühne: Tokio Hotel dürfen ihren neuen Song „Behind Blue Eyes“ singen und zusätzlich das zugehörige Musikvideo mit den Finalistinnen drehen. Klum gibt sich zuversichtlich: „Auch wenn wir das Finale nur im kleinen Kreis feiern werden, bin ich mir sicher, dass es ein unvergesslicher Abend wird. Und die Zuschauer feiern von zu Hause mit uns mit.“