Berlin - Würden wir für eine bezahlbare Wohnung jemanden töten? Mit dieser provokanten Frage fasst Katrin Bühlig ihr Drehbuch für den Berliner „Tatort“ zusammen, der am Sonntag in der ARD läuft und die erhitzten Debatten um den Wohnungsmarkt weiter befeuern dürfte. Im Fall „Die dritte Haut“ müssen die Kommissare den Tod eines zynischen Vermieters aufklären, der Mieter für eine Luxussanierung vertrieben oder mit falschen Versprechungen erpresst hat. Inspiriert worden war die Autorin von einem TV-Bericht, der zeigte, wie sich 800 Leute bei einer Wohnungsbesichtigung im Prenzlauer Berg drängelten.

Nahe an der Realität sind die Drehbücher von Katrin Bühlig immer. So hatte sie sich im „Tatort“ schon mehrfach dem Pflege-Elend gewidmet, der Stuttgarter Fall „Altlasten“ bekam den Grimme-Preis, auch der Bremer Fall „Im toten Winkel“ sorgte für Betroffenheit. „Es gibt Filme, die man schreiben muss, weil sie eine gesellschaftliche Relevanz haben, weil sie nötig sind und weil sie vielleicht etwas im realen Leben verändern können.“ Was die Autorin kürzlich über ihr ARD-Scheidungsdrama „Du gehörst mir“ sagte, das gilt für viele ihrer Arbeiten. Katrin Bühlig, 1967 in Leipzig geboren, glaubt fest an die gesellschaftliche Verantwortung von Filmemachern.

Dass den Krimis nach ihren Büchern immer wieder eine dokumentarische Qualität zugeschrieben wird, mag auch daran liegen, dass sie selbst als Dokumentarfilmerin arbeitet. So begab sie sich für den Film „Restrisiko“, auch er mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet, zu psychisch kranken Straftätern in den Maßregelvollzug – und ihr eigener 50. Geburtstag animierte Katrin Bühlig dazu, sich mit Altersgefährtinnen über die Wechseljahre auszutauschen. Ihre Filme können nicht nur aufklären, sondern sehr wohl auch unterhalten.