Unter dem Motto „Nicht selbstverständlich“ hat der Privatsender ProSieben bis in den frühen Donnerstagmorgen sein Programm freigeräumt, um werbefrei den Alltag einer Pflegekraft in Deutschland zu zeigen. Zahlreiche Frauen und Männer aus Krankenhäusern und Altenheimen kamen zu Wort, um auf die Probleme in der Pflege hinzuweisen. Begleitet wurde in Echtzeit per kleiner Kamera eine ganze Schicht der gewissenhaften und stets freundlichen Gesundheits- und Krankenpflegerin Meike Ista im Knochenmark- und Transplantationszentrum der Uniklinik Münster.

Die Entertainer Joko Winterscheidt (42) und Klaas Heufer-Umlauf (37) hatten wieder einmal Sendezeit zur freien Verfügung erspielt und nutzten sie diesmal, um auf den Pflegenotstand hinzuweisen. Zumindest das Ziel, Aufmerksamkeit zu erreichen, wurde erreicht. Tausende twitterten am Abend und nachts zum Thema Pflege. Lob kam auch von anderen Fernsehsendern wie RTL („Starke Aktion, ProSieben! Ein beeindruckendes Zeichen für die Pflege!“) und Arte („Was da gerade bei ProSieben passiert, dürfte ein Stück deutsche TV-Geschichte sein.“). 

Im Schnitt haben 730.000 Menschen die Sendung am Mittwochabend verfolgt. Das entsprach zwischen 20.15 Uhr und 3.00 Uhr am frühen Donnerstagmorgen einem Marktanteil von 4,4 Prozent für die spontan ins Programm gehobene Experimental-Echtzeitdoku. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen betrug der Marktanteil sogar gute 12,2 Prozent (530.000 Zuschauer). 

Ein Pfleger bei „Joko & Klaas Live“: Übermenschliche Belastung

Um 20.15 Uhr hatte die „Joko & Klaas Live“-Sonderausgabe begonnen, die mit etwa sieben Stunden viel länger dauerte als die üblichen 15 Minuten. Vor allem zu Beginn der Sendung wurden Stimmen und Köpfe von Pflegekräften wie Alexander Jorde aus Hildesheim oder Franziska Böhler aus Frankfurt/Main eingespielt, die auf die Not ihrer Branche hinwiesen. Seit Jahrzehnten versäumten es Politik und Gesellschaft, faire Bezahlung und gut machbare Arbeitsmengen zu organisieren. Der Bielefelder Intensivpfleger Ralf Berning wies auf die andauernde Überbelastung hin. Er kenne Leute, die 23 Tage am Stück arbeiteten, das sei „völlig unmenschlich“. Er sei lange Soldat gewesen und ginge lieber wieder nach Afghanistan, als noch einmal so etwas Schlimmes zu erleben wie während der zweiten Corona-Welle im Herbst.

Winterscheidt und Heufer-Umlauf behandeln in „Joko & Klaas Live“ oft gesellschaftlich relevante Themen. Die Sendezeit hatten sich die Moderatoren in der am Dienstag ausgestrahlten Show „Joko & Klaas gegen ProSieben“ erspielt, in der sie in mehreren Wettkämpfen gegen ihren Arbeitgeber antreten. Erstmals in der Geschichte der Show seit 2019 hatten die Entertainer diesmal ProSieben gebeten, nach ihrem Sieg mehr Sendezeit als die sonst übliche Viertelstunde zugestanden zu bekommen. Wie lange es werden würde, blieb anfangs für TV-Zuschauer unklar. Joko Winterscheidt erklärt zu Beginn: „Ein Thema, das uns alle betrifft, mitten aus dem Leben, und dennoch zu oft ganz am Rand der allgemeinen Wahrnehmung. Viele Themen im Leben bekommen erst dann den Stellenwert, den sie verdient haben, wenn man die Gelegenheit bekommt, sich in ein Leben hineinzuversetzen, das nicht zwangsläufig das eigene ist.“

Abrufbar auf ProSieben.de