Mainz - Der 50-jährige Norbert Himmler, seit 2012 Programmdirektor des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF), wird im März 2022 neuer Intendant des Mainzer Senders. Er folgt auf den bisherigen Intendanten Thomas Bellut. Der 66-Jährige stand für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung. Norbert Himmler konnte sich erst in einem dritten Wahlgang durchsetzen, in dem er von 60 abgegebenen Stimmen 57 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme auf sich vereinen konnte.

Norbert Himmler, der schon in den späten 1990er-Jahren beim ZDF anfing, setzte sich gegen die ARD-Hauptstadtstudioleiterin Tina Hassel durch. Diese zog ihre Kandidatur zurück, nachdem sie im zweiten Wahlgang vier Stimmen weniger als Himmler auf sich vereinen hatte können und ein dritter Wahlgang notwendig wurde.

In einer kurzen Ansprache an den ZDF-Fernsehrat bedankte sich Tina Hassel für einen fairen Wahlkampf, sie reite „sehr erhobenen Hauptes vom Hofe“. In Richtung des künftigen Intendanten Norbert Himmler sagte Hassel: „Wir wollen beide dasselbe: einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und: wir brauchen beide öffentlich-rechtliche Systeme.“ Tina Hassels Kandidatur hatte viele zunächst überrascht, und die Wahl Himmlers galt selbst unter Insidern lange nicht als sicher, obwohl viele ihn für den legitimen Nachfolger Belluts hielten.

In den letzten Jahren hat sich Himmler vor allem um neue Formate innerhalb des ZDF bemüht, darunter um das Zusatzprogramm ZDFneo, das sich intensiver an ein jüngeres Publikum wendet, um so stärker dem Image eines Alten-Senders entgegenzutreten. Zu den markantesten Merkmalen von Norbert Himmlers programmatischer Neuorientierung gehört die Förderung des Moderators und Satirikers Jan Böhmermann im Hauptprogramm des ZDF.

Tina Hassels Gegenkandidatur wollte sie vor allem im Sinne des demokratischen Wettbewerbs verstanden wissen. Der ZDF-Fernsehrat setzt sich aus Mitgliedern zusammen, die die Breite der Gesellschaft abbilden sollen, zum Beispiel von Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften, Politik, Wirtschaft, Kultur bis Sport. Der Fernsehrat beaufsichtigt die Programmarbeit des ZDF und beschäftigt sich auch mit Programmbeschwerden.

Die Herausforderungen des Senders bestehen vor allem in einer Neupositionierung der Anstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angesichts einer sich dynamisch verändernden Medienlandschaft. Eine während der Sitzung des Fernsehrates verabschiedete Beschlussvorlage beschäftigte sich etwa mit dem Hinwirken des Senders auf gesellschaftlichen Zusammenhalt.