„Tatort“ aus Ludwigshafen: Der Nazi im Feuer

Ein Altnazi wird versehentlich eingeäschert, sein Nazienkel wittert eine Verschwörung. Hat die Tante von Lena Odenthal etwas damit zu tun?

Ermittlerinnen aus drei Generationen: Niki Odenthal (Ursula Werner) erzählt Johanna (Lisa Bitter) und Lena (Ulrike Folkerts) von ihrem beruflichen Schwerpunkt, dem Aufspüren und Anklagen von Naziverbrechern. 
Ermittlerinnen aus drei Generationen: Niki Odenthal (Ursula Werner) erzählt Johanna (Lisa Bitter) und Lena (Ulrike Folkerts) von ihrem beruflichen Schwerpunkt, dem Aufspüren und Anklagen von Naziverbrechern. SWR

Schon wieder muss im „Tatort“ in der eigenen Familie ermittelt werden. Im vorigen Fall erst hatte der Dortmunder Kommissar Faber nach Jahrzehnten seinen Vater wiedergefunden. Diesmal wird Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) mit ihrer dominanten Tante konfrontiert – einer früheren Staatsanwältin. Schon der Filmtitel „Lenas Tante“ und die Besetzung mit Ursula Werner zeigen an, dass diese Tante keine Nebenrolle spielen wird.

Der Autor Stefan Dähnert, der seit über 30 Jahren Drehbücher für die Ludwigshafener „Tatorte“ schreibt, nutzt die Chance, Lena Odenthal etwas mehr biografischen Hintergrund zu geben, der bei der dienstältesten Kommissarin schon lange keine Rolle mehr gespielt hat. Nun erzählt Lena ihren Kollegen, ihre Mutter sei mit einem Lastwagenfahrer nach Spanien abgehauen, sie selber sei bei ihrer Tante Nicole aufgewachsen und von ihr geprägt worden. Trotzdem ist das Verhältnis zwischen den beiden Frauen aufgeladen: Die Kommissarin bekommt mit, dass ihre Tante nicht nur ihr „Lenchen“ in Ludwigshafen besuchen will, sondern eigene Ziele hat und sich in ihre Arbeit einmischt.

Hat der Arzt geschusselt?

Der aktuelle Mordfall eröffnet mit einer spektakulären Szene: Im Krematorium wird ein Sarg in die Brennkammer gefahren – da greift plötzlich eine Hand heraus. Bald wird klar, dass ein Arzt beim Ausstellen des Totenscheins geschusselt hatte und dass der Tote zuvor mit einer Überdosis Insulin im Koma lag. Recht routiniert werden zunächst die Zustände im privaten Pflegeheim unter Verdacht gestellt, doch dann stellt sich heraus, dass der Fall eine größere historische Dimension hat. Denn Lenas Tante hatte als Staatsanwältin gegen überlebende SS-Männer ermittelt, sie aber nur selten vor Gericht bringen können. Und der Verbrannte, dessen Hand aus dem Sarg wie ein Gruß aus der Vergangenheit erscheint, war im Heim nicht nur als notorischer Querulant bekannt, sondern hatte seine Naziideologie auch an seinen Enkel weitergegeben. Der Mann sieht sich heute im Kampf gegen das „System“, hält Berichte über den Holocaust für Propagandalügen und holt zur Beerdigung seines Opas dessen SS-Devotionalien heraus.

Die Story vollzieht zwar noch einige Wendungen, die Überraschungen aber halten sich in Grenzen. Die Affäre zwischen Lenas Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) und dem schussligen Arzt soll wohl etwas Leichtigkeit ins schwere Thema bringen, wirkt aber überflüssig. Zwischen den Kommissarinnen knirscht es, denn Stern merkt, dass Odenthal ihr einiges verheimlicht. Dass die Nichte dann schließlich ihre eigene Tante verhört, ist zwar nicht unbedingt glaubhaft, aber Ursula Werner sieht man gern bei ihrem Auftritt zu: Sie beherrscht das Polizeirevier. Auch Rüdiger Vogler, Held vieler Wim-Wenders-Filme in den Siebzigern, und Dieter Schaad als Pflegeheimbewohner bekommen einige prägnante Szenen: Schaad, Jahrgang 1926, hatte schon vor drei Jahren im Saarbrücker „Tatort“ einen Altnazi gespielt. Den dortigen Kollegen droht kommende Woche übrigens kein Besuch aus der familiären Vergangenheit, denn der psychopathische Vater von Adam Schürk hatte sich ja vor einem Jahr selbst umgebracht und vergeblich versucht, die Tat seinem Sohn unterzuschieben.

Wertung: 3 von 5

Tatort: Lenas Tante. Sonntag, 22. Januar, 20.15 Uhr, ARD