Der Titel klingt eher nach einer Mystery-Spekulation von ProSieben als nach einer Dokumentation von ZDFinfo. „Die sieben geheimen Atompläne der DDR“ will Autor Matthias Hoferichter aufdecken – das klingt, als ob er sich durch sieben Atombunker gekämpft und dort eine sensationelle Schatulle voller Geheimnisse entdeckt habe. Dabei ist der Film sehr viel sachlicher und kompakter als es der angeberische Titel vermuten lässt. Die Dokumentation beschreibt in sieben Kapiteln den Aufbau und den Abbau der DDR-Atomwirtschaft, die sich ebenso mit einer Abfolge von sieben prägnanten Orten beschreiben lässt.

Rings um Schlema und Seelingstädt baute die Wismut AG gewaltige Mengen Uranerz für die Sowjetunion ab und belieferte den großen Bruderstaat mit Stoff für Atombomben und Atomkraftwerke. Bei Rheinsberg errichtete die DDR ihr erstes, in Lubmin an der Ostsee ihr wichtigstes Kernkraftwerk, in Rossendorf bei Dresden betrieb sie Kernforschung. Das strahlende Erbe wurde im Salzstollen bei Morsleben nahe der deutsch-deutschen Grenze gebunkert, der ambitionierte Bau eines Mega-Kernkraftwerks unweit Stendal wurde nicht fertiggestellt und wieder rückgebaut. Wirklich geheim waren die Atompläne an sich nicht, sondern die Details wie Risiken, Störfälle, Kosten, Strahlenwerte und Umweltschäden. Die gezeigten Aufnahmen aus dem Defa-„Augenzeugen“ oder dem DDR-Fernsehen belegen, dass der Staat in den Sechziger- und Siebzigerjahren sehr stolz darauf war, das Atom zu „beherrschen“ und eine neue Energiequelle zu erschließen.

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