Berlin - Im Auftaktfilm der ZDF-Reihe „Shooting Stars“ wird tatsächlich scharf geschossen. Erst überfällt ein Killerkommando ein Café in München, tötet alle Gäste und exekutiert dabei eine Investigativ-Reporterin (Antje Traue). Sie ist die heimliche Geliebte des BND-Manns Behrens (Ronald Zehrfeld), einem Experten für Zentralasien, der Asylbewerber verhört, um Informationen für Drohnenangriffe auf islamistische Führer zu liefern. Als Behrens dann mit hochrangigen Geheimdienstlern im fernen wie fiktiven Zahiristan unterwegs ist, gerät ihr Konvoi in der Wüste in einen Hinterhalt, wird mit Panzerfäusten und MGs beschossen – er überlebt als Einziger.

Die Reihe „Shooting Stars“ soll sich natürlich nicht auf Feuergefechte spezialisieren, sondern Freiräume erschließen, ästhetisch, gedanklich wie emotional. So jedenfalls fasst Burkhard Althoff, Leiter der Redaktion des „Kleinen Fernsehspiels“, die aktuelle Staffel von sechs Filmen zusammen. Dabei ist Regisseur Philipp Leinemann, Jahrgang 1979, kein junges Talent mehr. Sein Politthriller „Das Ende der Wahrheit“ ist kein formales Experiment, sondern reinstes Genrekino, das in Deutschland allerdings selten im Kino läuft. Deshalb zeigt das ZDF den Film folgerichtig um 20.15 Uhr, während die anderen „Shooting Stars“-Beiträge kurz vor oder nach Mitternacht laufen werden.

Einer gegen das Kartell

Die Besetzung ist für ein „Kleines Fernsehspiel“ ungewöhnlich prominent. Neben Ronald Zehrfeld und Antje Traue sind Axel Prahl als zwielichtiger Vorgesetzter, Claudia Michelsen als undurchsichtige Kollegin und Alexander Fehling als arroganter Karrierist zu erleben. Selbst Nebenrollen sind gut besetzt, etwa mit Thomas Thieme als schrulliger „Planespotter“. Die Rollen wie die gesamte Konstellation bleiben im klassischen Rahmen: Ein Einzelner tritt gegen ein System oder Kartell an, gerät immer mehr zum Außenseiter. Ronald Zehrfeld agiert gewohnt körperlich, sein Behrens wirkt von Szene zu Szene immer lädierter.

So ganz verstehen mag man zwar nicht, warum solch ein Stoff, der nach einem ordentlichen Budget ruft, nun ausgerechnet ein „Kleines Fernsehspiel“ werden musste. „Das Ende der Wahrheit“ provoziert zwar nicht formal, aber doch politisch. Der Thriller fragt danach, wer von der militärischen Präsenz am fernen Hindukusch über all die Jahre eigentlich profitiert hat, welche Verbindungen zwischen Geheimdienstlern, Sicherheitspolitikern und Rüstungsfirmen existieren könnten. Mit seinem bitteren Fazit sticht der Film aus der Reihe der ZDF-Montagskrimis heraus, in denen ja meist ein Kommissar alles aufklärt. In der Reihe „Shooting Stars“ laufen daneben unter anderem ein ökologisch-feministischer Zombie-Thriller und ein Vater-Sohn-Drama in expressionistischen Schwarz-Weiß-Bildern – und alle schon seit 9. August in der ZDF-Mediathek.

Das Ende der Wahrheit – Mo., 16.8., 20.15 Uhr, ZDF