Irgendwo muss Gruner + Jahr (G+J) falsch abgebogen sein. An irgendeinem Punkt in der Geschichte des einst stolzen Hamburger Verlags passierte etwas, das den Niedergang des Zeitschriftenhauses einläutete. Mit der Ankündigung von Mittwoch, die ohnehin schon sehr enge Verbindung von G+J zum übermächtigen RTL, beide Unternehmen gehören dem Medienkonzern Bertelsmann, noch weiter zu vertiefen, womöglich bis hin zu einer Fusion, wird dieser Niedergang unumkehrbar. Die Hamburger sind künftig wohl nur noch eine bessere PR-Plattform für RTL und andere Bertelsmann-Töchter.

Die Misere begann ziemlich genau vor 20 Jahren. Damals, in den Jahren 2000 und 2001 platzte die Dotcom-Blase, der Neue Markt implodierte. In Panik stoppten viele deutsche Unternehmen ihre Investitionen in digitale Projekte. Besonders vehement stieg man bei G+J in die Eisen. Im Verlagshaus am Hamburger Baumwall hatte seit November 2000 der blasse Medienmanager Bernd Kundrun das Sagen. Als andere Verlagshäuser wie etwa Burda (Focus, Bunte) oder Axel Springer (Bild, Welt) längst wieder in digitales Wachstum investierten, stand Kundrun immer noch auf der Bremse. Auch dass der kleine Spiegel-Verlag, an dem G+J eine Minderheitsbeteiligung hält, trotz der Dotcom-Krise an seinen Investitionen in Spiegel Online festhielt, irritierte ihn nicht.

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