Berlin - Als Inge Meysel, die Übermutter des jungen bundesdeutschen Fernsehens, anno 1959 nachts im Bett das frische Theaterstück „Das Fenster zum Flur“ gelesen hatte, soll sie ihren Mann, den Regisseur John Olden, wachgerüttelt haben: „Die Rolle der Annie muss ich unbedingt spielen!“ Im Januar 1960 feierte das Stück am Berliner Hebbel-Theater Premiere. Inge Meysel brillierte als Portiersfrau, die erkennen muss, dass alle Familienmitglieder ihr etwas vorgemacht haben. Ihren Mann, einen Straßenbahnfahrer, spielte Rudolf Platte. Das Stück wurde 1962 von Paul Verhoeven mit den beiden Stars unter dem Titel „Ihr schönster Tag“ verfilmt und entwickelte sich mit über 350 Inszenierungen zu einem der meistgespielten Werke der bundesdeutschen Theatergeschichte. Damit hat Inge Meysel einem jungen Berliner Autor zum Erfolg verholfen. Denn „Das Fenster zum Flur“ war vom erfahrenen Curth Flatow zusammen mit Horst Pillau verfasst worden.

Der Jungautor wurde 1932 in Wien geboren, kam aber als Kind mit seiner Familie nach Berlin. Er schrieb schon mit 17 Jahren Texte für Zeitungen, begann in den 1950er-Jahren für den RIAS zu arbeiten, verfasste Sketche und kooperierte hier mit seinem Jugendfreund Hans Rosenthal. Die Zusammenarbeit hielt an, als Rosenthal die populäre Quizshow „Dalli Dalli“ im ZDF moderierte und Horst Pillau Mini-Scripts für die legendären Fehler-Filme beisteuerte. In jenen Jahren war er aber vor allem mit seinen Drehbüchern für TV-Serien wie „Ein Mann macht klar Schiff“ oder „Kudammgeschichten“ präsent, adaptierte dazu Romane wie „Es muss nicht immer Kaviar sein“ von Johannes Mario Simmel oder die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ von Theodor Fontane fürs Fernsehen.

Berliner Theatergeschichte schrieb der Autor mit der Trilogie um den Kneipier Wilhelm Kaiser, der sich mit Witz und Frechheit während der Nachkriegsjahre behauptet, 1964 zuerst als „Kaiser vom Alexanderplatz“, später dann in Neukölln und am Potsdamer Platz. Die Stücke wurden immer wieder aufgenommen, so mit Walter Plathe in der Komödie am Kurfürstendamm. Für ihn schrieb Pillau weitere Ur-Berliner Stücke wie „Kohlenpaule“ oder „Zille“, das 2009 Premiere feierte. Ein Ritual wurden die Lesungen „Nie wieder Weihnachten!“, die Pillau mit dem befreundeten Schauspieler Hans-Jürgen Schatz im Renaissance-Theater selbst bestritt. Ansonsten galt er als dezent-zurückhaltender Mensch, der kaum Autobiografisches von sich gab, und der nur bei seiner großen Leidenschaft, dem Fliegen, gern abhob. Um selbst am Steuerknüppel sitzen zu können, war er sogar jahrzehntelang nach Bayern verzogen – in Berlin galt zu Mauerzeiten Privatfliegerverbot. Am Montag ist er im Alter von 88 Jahren in Berlin gestorben.