Wim Wenders enthüllte im Kreuzberger Moviemento, warum er jahrelang nur bei Licht schlafen konnte.   
Foto: Sabine Gudath

Berlin-KreuzbergWas wäre das für ein Signal gewesen! Die Berlinale feiert den Film, vergisst aber den Ort, an dem dieser zu seinem Publikum findet: das Kino. Dass es nicht so gekommen ist, ist nicht dem Festival, sondern den Kommunikationsleuten von Mastercard zu verdanken, einem Unternehmen, das seit 2015 Partner der Internationalen Filmfestspiele ist, sein Herz fürs Kino also schon länger entdeckt hat. 

Mastercard hat am Donnerstag die Regisseure Wim Wenders und Tom Tykwer in das älteste Kino Deutschlands eingeladen, das Moviemento am Kottbusser Damm in Kreuzberg. Unter vielen Namen ist es seit 1907 in Betrieb, zunächst als Spiegelsaal-Kino, in dem es auf der Rückseite der Leinwand einen zweiten Saal gab. Dort sahen die Zuschauer den Film seitenverkehrt.

Möglichst viel von der Währung Aufmerksamkeit

Der Grund für den prominenten Besuch: Die Existenz des Moviementos ist in Gefahr, das Haus soll verkauft werden. Zwei Millionen Euro sind nötig, damit die Betreiber Iris Praefke und Wulf Sörgel die Räume selbst erwerben können. Und möglichst viel von der Währung Aufmerksamkeit, die könnte den Euro-Preis  drücken. Welcher Immobilienkäufer traut es sich noch, als Hai oder Zerstörer von Kulturräumen aufzutreten?

Schnell wurde ein Panel zur Zukunft des Kinos zusammengezimmert,  auf dem Wim Wenders enthüllte, wie ihn sein erster Kinobesuch traumatisierte. Seine Oma hatte ihn versehentlich in einen Horrorfilm gesetzt. Er sei zwar nach zwei Minuten schreiend hinaus gerannt, habe aber jahrelang nur bei Licht schlafen können. Trotzdem sagte er: „So etwas darf einfach nicht zum Verkauf stehen.“ Gemeint sind Programm-, Off- oder Independent-Kinos. „Hier hat das Programm Haltung“, erklärte Tom Tykwer. „Hier werden die Filmemacher geliebt und nicht nur verwertet.“ Und auch der Zuschauer bekomme nicht das Gefühl, das man nur sein Geld wolle. Tom Tykwer hat  hier Ende der 80er-Jahre als Vorführer gearbeitet und das Programm mitgestaltet.

Neu: eine digitale Spendenbox

Auf das grundsätzliche Problem kam das Panel auch zu sprechen:   den Kulturbegriff, der die Förderung von Theatern und Opernhäusern  für selbstverständlich hält, nicht aber die von Kinos. Auch um Film-Bildung kümmert sich das Moviemento mit Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche notgedrungen selbst.

Zuletzt zum Geld: 400.000 Euro haben die Betreiber zusammengekratzt, 120.000 Euro sind bisher per Crowdfunding zusammengekommen, nun gibt es eine  digitale Spendenbox, die nicht nur im Moviemento neben der Kasse steht, sondern auch an Berlinale-Vorverkaufstellen.   Man mag es fragwürdig finden,  die Kino-Betreiber per Spende zu Immobilienbesitzern zu machen, doch gerade scheint es keine andere Möglichkeit zu geben. Bei Gewerbeimmobilien hat der Bezirk kein Vorkaufsrecht.