Florian Illies trat im Januar 2020 nach nur einem Jahr als Chef des Rowohlt-Verlags zurück. 
Foto: Jens Ressing

BerlinRowohlt, einer der renommiertesten literarischen Verlage in Deutschland, braucht einen neuen Chef. Nach nur einem Jahr in diesem Amt kündigte Florian Illies am Freitag seinen Rückzug an. Er habe sich „dafür entschieden, einen anderen Weg zu gehen“ und wolle sich dem Schreiben widmen.

Wir erinnern uns: Im August 2018 wurde Barbara Laugwitz als verlegerische Geschäftsführerin von Rowohlt abberufen. Renommierte Autoren wie Elfriede Jelinek, Siri Hustvedt, Daniel Kehlmann und Jonathan Franzen protestierten gegen den Vorgang. An die Verlagsspitze kam dann Florian Illies, langjähriger FAZ-Journalist, erfolgreicher Sachbuch-Autor („Generation Golf“, „1913“), Zeitschrift-Gründer (Monopol) und Kunstmarkt-Experte.

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„Ich will bei Rowohlt die Bücher verlegen, von denen die Menschen träumen“, sagte Illies damals verheißungsvoll. In der Mitteilung vom Freitag bedauerte die Konzernleitung der Holtzbrinck Publishing Group, zu der Rowohlt gehört, den Entschluss.

Ansprüche an Verlagschef sind gewachsen 

Holtzbrinck hat jetzt ein Problem, muss nämlich einen Verleger für Rowohlt finden, der die Vorgänge wieder schnell vergessen lässt und den Blick auf die Bücher lenkt.

Das ist in Zeiten, da die Umsätze auf dem Buchmarkt zwar einigermaßen stabil sind, die Zahl der verkauften Titel aber sinkt, nicht einfach. Die Ansprüche an einen Verlagschef sind mit der digitalen Transformation schneller gewachsen, als sich treue Leser das vorstellen können. Wer hat die Strahlkraft, eine prominente Figur wie Florian Illies zu ersetzen?

Und was wäre gewesen, wenn Barbara Laugwitz Verlegerin geblieben wäre? Dann wäre sie jetzt nicht die Chefin von Ullstein in Berlin, wo sie im März 2019 antrat. Dann würde dort vermutlich noch Gunnar Cynybulk als verlegerischer Geschäftsführer arbeiten, der im Mai 2019 ging. Die Buchmessen in London und Leipzig im März haben jetzt schon ihr Gesprächsthema.