Kürzlich schrieb mir eine Leserin, die sich drüber beklagte, dass ihr Mann mit dem Haushalt überfordert sei. Sie arbeite im Büro, er ist zu Hause. Wenn sie abends käme, liege oft noch die Wäsche in der Trommel, die Küche sehe aus wie Bombe. Ist das bei anderen Männern auch so?, fragte sich die Leserin. Sind Männer genetisch nicht in der Lage, Haushalt und Familie zu stemmen?

Als ich das las, fühlte ich mich ertappt. Ich erinnerte mich an einen Tag, als ich vertieft zu Hause an einem langen Text schrieb. Abends kam mein Mann mit den Kindern nach Hause und regte sich auf, dass ich die Wäsche nicht aufgehängt und den Küchentisch nicht abgeräumt hatte. Brot fehlte auch. Ich machte mir auch sofort Vorwürfe: Was war ich nur für eine Frau? Immerhin war mein Text fertig.

Wenn ich etwas in bald fünf Jahren mit Kindern gelernt habe, dann das: Gleichberechtigung stellt sich nicht automatisch ein, selbst es beide wollen, man muss sie täglich erzwingen. Mein Mann und ich versuchen uns die Aufgaben zu Hause gleichberechtigt aufzuteilen. Trotzdem haben wir oft das Gefühl, mehr zu machen als der andere.

Konservative Männer seien nicht das Problem 

Im Schnitt verrichten Frauen im Alter von 34 Jahren laut Gleichstellungsbericht der Bundesregierung 5,18 Stunden Haus- und Familienarbeit pro Tag, knapp drei Stunden mehr als Männer. Die bekannten Folgen: Mütter verdienen weniger, werden eher depressiv und später arm. Und das liegt nicht an den Kindern, wie oft suggeriert wird, sondern an den Männern.

Das sagt die amerikanische Psychologin Darcy Lockman in ihrem bisher nur auf Englisch erschienen Buch „All the Rage: Mothers, Fathers and the Myth of Equal Partnership“ („All die Wut: Mütter, Väter und der Mythos gleichberechtigter Partnerschaft“).

Das Problem seien nicht konservative Männer, sagt Lockman, die wählten lieber gleichgesinnte Frauen, sondern solche, die sich selber als modern bezeichnen, nach außen auch als aktive Väter auftreten – und sich doch ihrer Verantwortung entziehen.

Nicht nur, weil Hausarbeit monoton ist. Das ist Rasenmähen auch. Sondern weil sie alles, was mit dem Waschen, Putzen, Aufräumen zu tun hat, unbewusst als etwas ansehen, was nicht zu ihnen als Mann passt. Die Frage, was gerecht ist, beantworten Männer und Frauen anders. Wenn der Chef Freiwillige für Fleißarbeiten sucht, melden sich eher Frauen, schreibt Psychologin Lockman mit Berufung auf verschiedene Studien.

Männer sagen, dass ihre Frauen zu verkrampft sind 

Wenn zu Hause die Wäsche nicht weggeräumt, der Einkauf vergessen wird, fühlen Frauen sich eher verantwortlich, machen sich selbst Vorwürfe, während Männer die Verantwortung eher von sich schieben und mit Ablehnung reagieren.

Männer haben unterschiedliche Prioritäten, wenn es um Einschlaf-Routine, Hausarbeit und Wäsche geht. „Vieles, was meine Frau macht, ist nicht notwendig“, sagt einer der Väter, die Psychologin Lockman interviewte. Ein anderer meinte: „Ich wasche die Wäsche erst, wenn ich sie wirklich brauche, das ist meiner Frau oft zu spät, und dann denke ich: Mach es doch alleine.“

Mehrere Männer sagen, dass ihre Frauen zu verkrampft sind. „Sie wacht am Sonnabendmorgen auf und hat eine Liste, die sie abarbeiten muss. Ich habe keine Liste“, sagt ein Vater. Seine Frau bestätigt das: „Wir sind in so ein Muster geraten, er hat gelernt, vieles zu vergessen, ich habe gelernt, ihn dafür zu verachten.“ Die Familie, unser Kampfplatz.