Es scheint, als müssten sich Unternehmen, die in Russland und der Ukraine aktiv sind, in Zukunft für eine Seite entscheiden. Im Konflikt um die Schwarzmeerhalbinsel Krim werden in beiden Ländern mit Blick auf bekannte Marken Loyalitäten eingefordert. Das durfte zuletzt der US-amerikanische Coca-Cola-Konzern erfahren. Am 30. Dezember wurde auf dessen Vkontakte-Seite, also dem russischen Pendant zu Facebook, eine festlich anmutende Russlandkarte mit Weihnachtsbäumen und Holzhäuschen gepostet. Nicht abgebildet waren die Exklave Kaliningrad im Baltikum, die ostasiatische Inselkette der Kurilen und eben die Krim.

Ungemach im Internet

Es folgte ein mittelschwerer Sturm der Entrüstung in sozialen Medien, russische User forderten eine in ihren Augen richtige Darstellung der politischen Grenzen der Russischen Föderation. Die Karte wurde geändert, die Krim als Teil Russlands gezeigt. Ob die Verantwortlichen in der Agentur, die für Coca-Cola in Russland arbeitet, da schon ahnten, was ihnen aus der Ukraine blüht?

Boykottaufruf

Dort ließen auch Politiker nicht lange auf sich warten. Der prominente Kiewer Parlamentsabgeordnete Mustafa Najem, einer der Initiatoren der Maidan-Proteste im November 2013, rief zu einem Boykott von Coca-Cola auf. Unter dem Hashtag #BanCocaCola schlossen sich ihm viele Sympathisanten etwa auf Twitter an. Die Ukrainer forderten, dass die Krim aus der Russlandkarte gestrichen werde. Der Chef der rechtsradikalen Swoboda-Partei Oleh Tjahnybok verlangte ein Coke-Verbot in der Ukraine. Und auch die Botschaft des Landes in den USA schaltete sich ein, wandte sich an den Coca-Cola-Konzern und das US-Außenministerium. Große Empörung. Auf Facebook betonte die Botschaft, dass Coca-Cola die offizielle US-Position, derzufolge Russlands illegale Besetzung der Krim zu verurteilen sei, unterminiere. Im März 2014 annektierte Russland die Halbinsel nach einer umstrittenen Volksabstimmung.

Wieder musste Coca-Cola sich entschuldigen. Eine Sprecherin des Konzerns erklärte, dass die Karte für die Kampagne gelöscht wurde. Zu politisch.

Etwas Gutes hatte die Aufregung um die Karte in jedem Fall: Weiterhin posten Ukrainer im Netz Ideen zu Cola-Alternativen, zum Beispiel kann Uzvar getrunken werden, ein Kompott mit Früchten, das besser sei als das koffeinhaltige Zuckergetränk. Weniger Coca-Cola zu trinken, kann aus gesundheitlicher Sicht nicht schaden. Das gilt in der Ukraine und in Russland.