Berlin (dpa)  - Schauspieler Ulrich Tukur (64) hat eine Leidenschaft für Gedichte. „Ich stamme aus einem Haushalt, wo man keinen Fernsehapparat hatte. Wir hatten ein Bakelit-Telefon und einen Radioapparat. Und das war es dann im Wesentlichen“, sagte Tukur („Tatort“) der Deutschen Presse-Agentur.

Abends habe sich sein Vater neben ihn gesetzt und ihm Balladen vorgelesen, etwa von Friedrich Schiller, Theodor Fontane und Ludwig Uhland. „Das war mein Kino.“

Schillers „Der Taucher“ habe ihn schwer beeindruckt. „Ich wollte danach Taucher werden“, sagte Tukur. Als er später verliebt gewesen sei, auch unglücklich, seien es Gedichte von Goethe, Storm oder Hesse gewesen. „Leuchtfeuer im Dunkeln.“ Großartige Autoren hätten etwas auf den Punkt gebracht, was er selbst undeutlich gefühlt habe. Er sei erstaunt vor Bewunderung für diese Art von Sprachkunst.

Auf Tour

In nächster Zeit ist Tukur nicht nur mit seiner Band auf Tour, sondern auch mit der Lesung „Vom Zauber einer verwehenden Sprache. Deutsche Balladen und Gedichte“. Seiner Meinung nach wird Sprache in diesen Zeiten weniger wertgeschätzt. „Wir leben ja in visuellen Welten und visuelle Bilderwelten erschlagen die Sprache.“ Christian Redl und er hätten daher einen Abend gestalten wollen, um daran zu erinnern, „was für großartige Actionfilme Balladen sein können“.

Aber wie war das in der Schulzeit? Finden viele das Auswendiglernen von Gedichten nicht furchtbar? „Ehrlich gesagt: Ich fand es auch nicht so toll“, sagte Tukur am Telefon, während er in Italien war. „Ich mache es inzwischen sehr gerne. Das trainiert das Gehirn.“ Es sei ihm eine Freude, ein Gedicht, das ihm Spaß mache, so lange zu sagen, bis er es drauf habe. Es gebe dann immer Situationen, in denen es passe. „Und dann sind die Menschen schwer beeindruckt. Das sollten sich die jungen Männer merken, dass man damit auch Damen beeindrucken kann.“