Berlin-Mitte - Seit vergangenem Jahr ist der Innenraum der St. Hedwigs-Kathedrale geschlossen. Wegen des Radikalumbaus. Dafür hat der Bundestag zwölf Millionen und das Land Berlin zehn Millionen Euro als Subvention zugesichert. Trotz aller noch laufenden Gerichtsverfahren und des praktisch einhelligen Protests der kunsthistorischen Fachwelt sind bereits die Detailplanungen angelaufen.

Das Projekt ist überaus umstritten, der 1952 bis 1966 nach den Plänen Hans Schwipperts gestaltete Innenraum von St. Hedwig gilt als einer der bedeutendsten deutschen Kirchenräume der Nachkriegszeit, entworfen als Monument des gesamtnationalen deutschen Katholizismus und seiner Erinnerung an das Versagen in der Nazizeit.

Denkmalschutzgesetzt verhindert Umbau der Kathedrale

Jetzt hat das Verwaltungsgericht in einer gut besuchten Sitzung eine weitere Hürde für das umbauwillige Berliner Erzbistum aus dem Weg geräumt: Die Nachfahren der Teppichweberin Margaretha Reichardt, der Designer und Bildhauer Hubertus Förster und Fritz Kühn und des Architekten Hans Schwippert sowie der Bildhauer Hubertus Förster hatten gegen die denkmalrechtliche Genehmigung des Projekts geklagt. Im Detail geht es um die von ihnen mitgestaltete breite, schlüssellochartig geformte Öffnung zwischen der Märtyrergrablege im Sockelgeschoss und dem eigentlichen Kirchenraum im Hauptgeschoss, die nach den neuen Plänen ersatzlos geschlossen werden soll.

Diese Klagen wurden nun von der 19. Kammer des Verwaltungsgerichts als unzulässig abgewiesen. Es ginge nicht um das Urheberrecht, sondern um das Denkmalschutzgesetz, dass „in erster Linie dem allgemeinen kulturstaatlichen Interesse, nicht aber den Interessen der am Bau beteiligten Künstler“ diene, teilte das Gericht (VG 19 K 319.18 und VG 19 K 334.18) mit. Die Erben und auch Förster seien nicht persönlich betroffen genug, um ein über das Interesse der Eigentümer – also des Erzbistums – hinaus reichendes Interesse begründen zu können. Dieses müsse in dem anhängenden Prozess beim Landgericht über die Verletzung des Urheberrechts geklärt werden.

Vorlagen der Denkmalpflege bearbeitet

Der langjährige Vorsitzende des Berliner Landesdenkmalrates, Adrian von Buttlar, markierte diese Lücke im deutschen Denkmalrecht in einer für eine solche Verhandlung durchaus ungewöhnlichen Sachdarstellung: Die Gestaltung eines so wertvollen Innenraums wie dem von St. Hedwig könne nicht weiter alleine mit den privatrechtlichen Instrumenten des Urheberrechts behandelt werden, hier seien Interessen der gesamten Gesellschaft an der Überlieferung von Geschichte und Kunst zu berücksichtigen.

Dennoch sind Alfred Mario Molter, der mit die Künstlererben vertrat, und Werner Kohl von der umtriebigen Initiative der Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale nicht unzufrieden mit dem Ergebnis des Prozesses. Sein wichtigster Effekt, so Molter, sei, dass nunmehr die Akten zum Denkmalverfahren geöffnet worden sind.

Aus ihnen geht, wie der Berliner Zeitung vorliegende Auszüge belegen, unter anderem hervor, dass der damalige Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe, die Vorlagen seiner Denkmalpfleger stark bearbeitet hat. Aus einer deutlich überwiegenden Ablehnung des Umbauprojekts durch die Untere Denkmalschutzbehörde wurde so eine teilweise Genehmigung. 

Debatte um Urheberrechtsansprüche 

Erst mit dieser Neuformulierung des Bescheids durch Gothe entstand aber jener Widerspruch zu der Entscheidung des übergeordneten Landesdenkmalamts, der den Eingriff der Obersten Denkmalschutzbehörde bei Kultursenator Klaus Lederer (Linke) in dem Verfahren möglich machte. Lederer genehmigte dann im vergangenen Jahr das von der Fachwelt einhellig abgelehnte Projekt mit dem Verweis auf die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Religionsgemeinschaften, ihren Kultus selbst zu gestalten.

Das Erzbistum verwies auf Anfrage der Berliner Zeitung darauf, dass es in diesem Verfahren nicht beklagt worden sei, also auch keinen Kommentar abgeben wolle. Sprecher Stefan Forner verwies allerdings auf ein wissenschaftliches Symposium der Kirche, in dem vor der Entscheidung für den Umbau die denkmal- und auch die urheberrechtlichen Fragen ausführlich debattiert worden seien.

Genau darum wird es voraussichtlich auch bei der kommenden Verhandlung vor dem Landgericht gehen, in dem die Urheberrechtsansprüche der an Schwipperts Projekt beteiligten Erben verhandelt werden.