Ann Savage und Tom Neal in „Umleitung“ (Originaltitel: „Detour“) von 1945.
Foto: PRC Pictures Inc.

Berlin - Edgar G. Ulmer (1904–1972), geboren im tschechischen Olmütz, arbeitete bereits in der Stummfilmzeit als Szenenbildner für Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau. 1929 gehörte er zu den Co-Autoren des berühmten Berlin-Films „Menschen am Sonntag“. Während seine damaligen Mitstreiter, Filmemacher wie Billy Wilder, Fred Zinnemann sowie Robert und Curt Siodmak, später in Hollywood in die erste Liga aufstiegen, blieb er als Regisseur jedoch fast ausnahmslos dem B-Film verhaftet. Dies hat Ulmer zeitlebens geschmerzt, selbst dann noch, als er erfuhr, dass insbesondere französische Cinéasten seine „kleinen“ Filme enthusiastisch feierten. François Truffaut etwa schrieb über Ulmers Kunst, sie sei ein Geschenk aus Hollywood. Hinter jeder Einstellung könne man seine Liebe zum Kino entdecken.

Es ist erstaunlich, dass Edgar G. Ulmer mit seinem Meisterwerk „Umleitung“ („Detour“) 1945 – inmitten des allgemeinen Freudentaumels nach dem gerade erst gewonnenen Krieg – eine so finstere, unbarmherzig dem Abgrund zustrebende Story auf die Leinwand brachte. Aus dem nicht weniger düsteren, im Jahr 1939 veröffentlichten gleichnamigen Roman von Martin Goldsmith übernahm er einen von zwei Erzählsträngen: die Geschichte des Mannes Al (Tom Neal), der sich auf einer Fahrt von der Ost- an die Westküste immer tiefer ins Unglück stürzt. Es ist ein Roadmovie als Fiebertraum: Gleich zu Beginn fängt die Kamera die Augenpartie des Mannes ein, die durch die gezielte Lichtsetzung aus dem Dunkel des Raums hervorgehoben wird und dem Zuschauer damit nahelegt, die Filmhandlung als wahnwitzige Erinnerung zu begreifen.

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