Berlin - Wir holen alles nach. Diese Botschaft für die Zeit nach der Corona-Pandemie hat sich auf einem Gebiet bereits bewahrheitet. Denn nachdem im Frühjahr im Zuge des bundesweiten Lockdowns die Buchhandlungen wie alle anderen Einzelhändler über Umsatzeinbrüche klagten, sind im November und Anfang Dezember die Interessenten nur so in die Läden geströmt. Wirklich, die Marktforschung belegt das. Die Zahl der verkauften Bücher in allen Bereichen – von der Kiez- bis zur Bahnhofsbuchhandlung, vom Kaufhaus bis zum Onlinehandel – stieg im Vergleich zum November 2019 um 4,5 Prozent. Und in der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Advent betrug das Umsatzplus insgesamt 10,4 Prozent, allein im stationären Handel lag es bei 5,5 Prozent. Das berichtet die Branchenpresse unter Berufung auf Media Control.

Wenn sich also der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, angesichts der neuen Beschlüsse zum Lockdown mit der Warnung meldet, die Not im Kulturbereich sei sehr groß, kann man zumindest Verlage und Buchhandel in diesen Tagen herausrechnen. 

Die optimistischen Zahlen aus dem Buchhandel zeigen natürlich, dass es auf Weihnachten zugeht und Bücher traditionell ein beliebtes Geschenk sind.  Sie belegen aber auch nachdrücklich, dass es ein Bedürfnis der Menschen nach Kultur gibt. Wenn einem nicht mehr viel bleibt, als sich Filme und Serien zu Hause reinzuziehen, dann gibt es immer noch die Möglichkeit, Bücher zu lesen.

Die Buchläden waren im Frühjahr genauso geschlossen wie die Bekleidungsgeschäfte, nur in Berlin und Sachsen-Anhalt blieben sie offen. Der in jenen Wochen entstandene Verlust wurde so gut wie ausgeglichen. Wer neue Bücher nicht online kaufen wollte, hat sich den Kaufwunsch also inzwischen erfüllt, hat nachgeholt, was fehlte. 

Jetzt kommen ruhige Zeiten zum Lesen, Vorlesen, Über-Bücher-Sprechen. Die Zeiten sind traurig, aber nicht hoffnungslos. Und wenn dann die Theater und die Kinos und die Museen irgendwann im verheißungsvollen Jahr 2021 wieder öffnen, dann werden die Kulturhungrigen zeigen, was ihnen gefehlt hat. Wir holen alles nach und demonstrieren, was eine offene Gesellschaft braucht: die Anregung durch Kunst und Künstler auf Bühnen und Museen zum Diskurs, die Unterhaltung durch Filme wie die gerade durch die Europäische Filmakademie ausgezeichneten.