Merseburg-Als der Hallenser Menschen-Maler Willi Sitte, einst Präsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR, 2013 im hohen Alter starb, ließ er ein immenses in Museen wie der Nationalgalerie und in Privatsammlungen befindliches malerisches Werk zurück. Es blieb eine höchst widersprüchliche Biografie. Für die einen war der im heutigen Tschechien geborene Bauernsohn, einst Deserteur aus Hitlers Armee und dann Garibaldi-Partisan, der in den Bergen Italiens gegen die Nazis gekämpft hat, mit seinem barocken und Eros-betont-freizügigen Malstil einer der großen deutschen Gegenwartsmaler. Für die anderen war er der DDR-Staatskünstler, der von der Kunstmaxime „Weite und Vielfalt“ am meisten profitiert hatte. Er durfte auf der Documenta Kassel 1977 ausstellen, seine Bilder sammelte der Kölner Kunstmagnat Peter Ludwig.

Sitte glaubte lange, wohl noch bis zu seinem 92. Lebensjahr, unverbrüchlich an die kommunistischen Ideale: Die DDR könne das bessere, gerechtere Deutschland sein. In der Stalinzeit war er jedoch wegen seiner „modernistischen“ Stilistik als Formalist angefeindet worden, weil er sich an der Bildwelt und Körpersprache von Malern der Moderne wie Pablo Picasso, Renato Guttuso, Max Beckmann und Fernand Leger orientierte. Das verzieh er dem System großmütig. Denn seit den 1970er-Jahren, unter Honecker, saß Sitte im Zentralkomitee der SED und wurde mit Nationalpreisen geehrt.

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