Berlin - Eine komplex verschachtelte Firmenstruktur mit Anwälten auf Zypern, die als Treuhänder agieren – die unübersichtliche Firmenstruktur des Immobilienkonzerns Aroundtown stößt weiter auf Kritik. Im Juni hatte die Firmengruppe auf eine Anfrage der Berliner Zeitung hin künftig mehr Transparenz versprochen: Als Ergebnis seiner Unternehmenspolitik „des Zuhörens“ beabsichtige der Konzern, in Zukunft „die direkten Gesellschafter der jeweiligen Tochtergesellschaften der Aroundtown SA in Zypern“ einzutragen.

Doch davon kann bisher keine Rede sein: Aroundtown – Hauptsponsor von Union Berlin – hält weiter an seiner Offshore-Struktur fest, aus der die Eigentumsverhältnisse für die Öffentlichkeit nicht ersichtlich sind. Nach außen treten die Anwaltskanzleien in Erscheinung.

Ende Juni hatte die Berliner Zeitung erstmals das verwirrende Firmengeflecht von Aroundtown analysiert und dabei die Treuhänderstruktur in Zypern enthüllt. Für eine Kooperation von Berliner Zeitung und dem Südwestdeutschen Rundfunk (SWR) ging jetzt ein Team von Reportern in Zypern auf Spurensuche.

Aroundtown unterliegt strengen kapitalrechtlichen Regulierungen 

Die Holdingstruktur der Firmengruppe ist aufschlussreich, weil Aroundtown an der Börse notiert ist und mit Vermögenswerten nach eigenen Angaben in Höhe von über 22 Milliarden Euro zu den größten Besitzern von Gewerbeimmobilien in Europa zählt. Der Konzern verweist darauf, dass er als börsennotierte Gesellschaft strengen kapitalrechtlichen Regulierungen unterliegt und somit vollständig transparent sei. Durch die Holdinggesellschaften auf Zypern ergäben sich „keine Steuervorteile, da alle deutschen Immobilien nach deutschem Steuerrecht besteuert“ würden.

Tatsächlich aber lassen sich mit derartigen Strukturen gut Steuern einsparen – und zwar ganz legal. Der Europaabgeordnete und Finanzexperte der Grünen, Sven Giegold, sieht daher vor allem die Gesetzgeber in der Pflicht: „Wir haben einen Binnenmarkt in Europa ohne eine gemeinsame Steuergesetzgebung. Wir brauchen europäische Mindeststeuersätze, wir brauchen Einstimmigkeit und wir brauchen eine Bundesregierung, die sich nicht länger ausbeuten lässt, steuerlich.“

Kritisch sieht die Konzernstruktur von Aroundtown auch Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit. Obwohl der Konzern in Luxemburg sitze, sei er zwar in Deutschland steuerpflichtig. „Was sie aber machen können, ist, sie können ihre Gewinne in Deutschland künstlich klein rechnen, indem sie Zinsen und Gebühren sich selbst in Rechnung stellen aus Luxemburg oder aus Zypern, und damit dafür sorgen, dass die deutschen Gewinne möglichst klein sind.“

Der Beitrag läuft an diesem Mittwoch um 21.45 Uhr bei Plusminus in der ARD.