Stellt die Gründung der Ufa vor 100 Jahren ein Grund zum Feiern dar? Auf jeden Fall liefert das Jubiläum jede Menge Impulse zum Nachdenken über Geschichte allgemein und Filmgeschichte speziell. Die Anfänge der Universum Film AG liegen in den Gas- und Blutschwaden des Ersten Weltkrieges. Der berüchtigte Generalmajor Erich Ludendorff (bis 1918 Stellvertreter Hindenburgs und dann 1923 Spießgeselle Hitlers bei dessen Putschversuch) schob 1917 persönlich die Schaffung eines zentralen Bild- und Film-Amts (Bufa) an, erhob diese Maßnahme zur „dringenden Kriegsnotwendigkeit“.

Das Bufa war unmittelbarer Vorgänger der Ufa, die dann im Dezember 1917 aus der Taufe gehoben und im Februar ins Handelsregister eingetragen wurde. Hauptaktionär der quasi-staatlichen Aktiengesellschaft war die Deutsche Bank. Zum siegentscheidenden Faktor wurde die Ufa bekanntlich nicht mehr, konnte aber nach Kriegsende weiter existieren.

Entwicklung neuer Kamerakräne und -Optiken

Ihre Glanzzeit – die sprichwörtlichen Goldenen Jahre – lagen zwischen 1923 und 1933. Wenn es etwas zu würdigen gibt an der hundertjährigen Geschichte der Ufa, dann sind es jene zehn Jahre. Sie sind maßgeblich mit dem Wirken eines Mannes verbunden: Erich Pommer. Er war es, der vehement für eine neue Form des „Qualitätsfilms“ kämpfte, mit dem der Konkurrenz aus Frankreich und vor allem Hollywood entgegengetreten werden sollte.

Maßgeblich ihm sind die Klassiker wie „Die Nibelungen“, „Der letzte Mann“, „Metropolis“, „Asphalt“ und „Der blaue Engel“ zu verdanken. Er war es, der die Entwicklung neuer Kamerakräne und -Optiken vorantrieb und auf eine rasche Etablierung des Tonfilms bestand.

Vorgetäuschte Liberalität

Diese temporäre, Liberalität verkündende Erfolgsstory täuscht etwas darüber hinweg, dass die Ufa spätestens ab 1927 in den Händen nationalistischer Geschäftsleute lag. Besitzer war seither Alfred Hugenberg, Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und 1933 erster Landwirtschaftsminister im Kabinett Hitlers. Gleich nach der „Machtergreifung“ entließ die Ufa in vorauseilendem Gehorsam sämtliche jüdischen Mitarbeiter, lange bevor entsprechende Gesetze dies durchsetzbar gemacht hätten.

In der 1943 erschienenen Festschrift zum 25. Jahrestag der Ufa schaffte ihr Verfasser Otto Kriegk das Kunststück, einerseits „Die Nibelungen“ zu preisen, andererseits „Metropolis“ als „Verherrlichung des Bolschewismus“ zu verdammen, ohne anzumerken, dass der Urheber beider Filme ein und derselbe Regisseur war. Fritz Langs Name wird nicht genannt. Der von Erich Pommer sowie anderer jüdischer Ufa-Mitarbeiter und -Stars natürlich auch nicht. Geschichte wird immer aufs Neue umgeschrieben.

Seit 1964 bei Bertelsmann

Im Mai 1945 fiel das Ufa-Studiogelände von Potsdam-Babelsberg in den Herrschaftsbereich Stalins. Was an Technik nicht im Krieg zerstört oder von den Besatzungstruppen beschlagnahmt worden war, ging im Mai 1946 an die von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) gegründete Defa über. Rein physisch war die Defa eindeutig die Nachfolgerin der Ufa.

Viele der alten Mitarbeiter – soweit sie nicht als „belastet“ eingestuft waren – machten nach 1945 einfach weiter; die Techniker sowieso, aber auch viele Drehbuchautoren, Regisseure und Komponisten. Bei Kurt Maetzigs „Ehe im Schatten“ stand 1947 Friedl Behn-Grund hinter der Kamera, der schon an dem NS-Propagandafilm „Ohm Krüger“ mitgearbeitet hatte.

Während sich die Defa zur staatsmonopolistischen Produktionsfirma entwickelte, wanderte ihre nominelle Vorgängerin in die Bundesrepublik ab. Obwohl die Alliierten eine Entflechtung und Auflösung des Konzerns verfügt hatten, kam es 1956 zu einer Neugründung und Reprivatisierung; Hauptaktionär war einmal mehr die Deutsche Bank. Seit 1964 gehört das Ufa-Label zum Bertelsmann-Konzern.

Kostüme aus dem Fundus

Die Geschichte der Ufa erweist sich als ungemein komplex und an vielen Stellen immer noch erstaunlich unscharf. Anlässlich des 100. Geburtstages gibt es eine Vielzahl erhellender Veranstaltungen, Retrospektiven und Veröffentlichungen. Das Filmmuseum am Potsdamer Platz steuert die Ausstellung „Die Ufa – Geschichte einer Marke“ bei, die am Freitag eröffnet wird.

Hier wird eine Rochade vom Gründungsjahr 1917 bis heute unternommen. Zu sehen sind wunderschöne Plakate, Kostüme und Dokumente aus dem Fundus der Deutschen Kinemathek. Etwas überraschend wirkt dann aber doch der allzu knappe Zirkelschluss von „Metropolis“ zu „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, die sich im Ausstellungsraum tatsächlich gegenüber stehen.

Andererseits hat gerade Georg Seeßlen – das gute Gewissen der Filmkritik – in seinem klugen Aufsatz „Bibi, Tina, der Führer und wir“ aufgezeigt, dass die deutsche Filmgeschichte insgesamt doch enger verwoben ist, als wir derzeit ahnen; im Guten wie im Schlechten. In dieser Hinsicht sollte das Ufa-Jubiläum als Anregung angenommen werden, die Augen und Ohren noch etwas weiter aufzumachen.